KI-Früherkennung: Uni Münster forscht an Schutz für Neugeborene
Verbundprojekt „nAIonate“ nutzt künstliche Intelligenz gegen Klinikinfektionen – G-BA fördert Vorhaben mit 1,4 Millionen Euro
Krankenhausinfektionen stellen insbesondere für Früh- und Neugeborene eine lebensbedrohliche Gefahr dar, da deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Um Infektionscluster künftig schneller zu identifizieren, entwickelt das deutschlandweite Verbundprojekt nAIonate ein KI-basiertes Früherkennungssystem. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) fördert das Vorhaben mit insgesamt 1,4 Millionen Euro, wovon knapp 400.000 Euro an das Institut für Medizinische Informatik in Münster fließen.
Ziel des Projekts ist es, antibiotikaresistente Infektionen zu erkennen, bevor sich diese flächendeckend auf neonatologischen Stationen ausbreiten können. Bisher werden solche Cluster oft erst bemerkt, wenn bereits mehrere Kinder betroffen sind. Laut Prof. Dominik Heider, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik an der Universität Münster, sucht das System mithilfe von Algorithmen nach Mustern, die auf einen beginnenden Ausbruch hindeuten. Die wissenschaftliche Basis hierfür bildet eine großangelegte Studie mit 1.800 Neugeborenen an vier deutschen Klinikstandorten über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.
Die technische Entwicklung des KI-Modells findet in Münster statt, während die Gesamtprojektleitung bei der Charité in Berlin liegt. Weitere Partner sind das Berlin Institute of Health sowie die Justus-Liebig-Universität Gießen. Ein zentraler Aspekt der Entwicklung ist die sogenannte „Explainable AI“: Die Vorhersagen der Software sollen für das Klinikpersonal verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden, damit Ärzte und Pflegekräfte unmittelbar gezielte Hygienemaßnahmen einleiten können. Das Projekt ist auf eine Gesamtlaufzeit von drei Jahren angelegt.
Die Integration von KI-Systemen zur Infektionsprävention markiert einen entscheidenden Schritt in der digitalen Transformation des Krankenhausmanagements. Aus Sicht der Klinikleitung bietet nAIonate nicht nur einen massiven Gewinn für die Patientensicherheit, sondern langfristig auch eine wirtschaftliche Entlastung: Frühzeitig erkannte Infektionscluster verhindern kostspielige Isolationsmaßnahmen, verlängerte Liegezeiten und potenzielle Haftungsrisiken.




