Arzneimittelrisiken: Apotheken melden 2025 Rekordzahl an Verdachtsfällen
Über 11.000 Meldungen bei der Arzneimittelkommission – Qualitätsprobleme und Medikationsfehler nehmen zu
Die Zahl gemeldeter Arzneimittelrisiken in Deutschland hat im Jahr 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Wie die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) mitteilt, gingen im vergangenen Jahr insgesamt 11.154 Verdachtsmeldungen zu Qualitätsmängeln, Nebenwirkungen oder anderen Risiken von Arzneimitteln ein. Die Meldungen stammen aus 4.978 Apotheken, darunter auch Krankenhausapotheken. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2024 mit 10.882 Meldungen erneut übertroffen. Die Zahlen veröffentlichte die AMK Anfang März 2026 in ihrer aktuellen Auswertung.
Ein Großteil der Meldungen entfiel auf Qualitätsprobleme bei Arzneimitteln. Rund zwei Drittel der eingegangenen Berichte betrafen beispielsweise mögliche Mängel bei Herstellung, Lagerung oder Verpackung von Präparaten. Etwa ein Drittel der Meldungen bezog sich auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Diese Verteilung verdeutlicht die zentrale Rolle der Apotheken bei der frühzeitigen Identifikation von Qualitätsrisiken in der Arzneimittelversorgung.
Besonders auffällig ist der deutliche Anstieg bei Meldungen zu Medikationsfehlern. Im Jahr 2025 registrierte die AMK 624 entsprechende Verdachtsmeldungen, nachdem im Jahr zuvor 348 Fälle gemeldet worden waren. Demgegenüber ging die Zahl der Berichte über möglichen Arzneimittelmissbrauch leicht zurück. Hier wurden 41 Verdachtsmeldungen dokumentiert, nach 50 im Jahr 2024.
Nach Angaben der AMK stammen die Meldungen aus insgesamt 4.978 Apotheken in Deutschland. Darunter befinden sich auch zahlreiche Krankenhausapotheken, die in stationären Einrichtungen eine zentrale Rolle für Arzneimittelsicherheit, Pharmakovigilanz und Medikationsmanagement übernehmen. Für Krankenhäuser sind diese Meldesysteme insbesondere im Kontext komplexer Medikationsregime und multimorbider Patientinnen und Patienten von hoher Bedeutung.
Der Vorsitzende der AMK, Martin Schulz, betonte die Bedeutung der Apotheken für die Arzneimitteltherapiesicherheit. Apotheken würden durch ihre kontinuierliche Beobachtung von Arzneimittelanwendungen maßgeblich dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Patientinnen und Patienten zu schützen. Die AMK sammelt und bewertet diese Meldungen bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten und informiert im Gegenzug die Apotheken über identifizierte Risiken.
Im Jahr 2025 veröffentlichte die Kommission insgesamt 263 Risikoinformationen für Apotheken. Dazu gehörten unter anderem 23 sogenannte Rote-Hand-Briefe und Informationsschreiben zu sicherheitsrelevanten Themen sowie mehr als 150 chargenbezogene Rückrufe und Überprüfungen von Arzneimitteln.
Auch Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer und Mitglied der AMK, sieht in den Zahlen einen Beleg für die Bedeutung der Apotheken im Gesundheitssystem. Apothekerinnen und Apotheker könnten Qualitätsfragen bei Arzneimitteln beurteilen, potenzielle Anwendungsfehler erkennen und zur sicheren Anwendung von Medikamenten beraten.
Für Krankenhäuser und Klinikapotheken unterstreichen die aktuellen Zahlen die zunehmende Bedeutung strukturierter Pharmakovigilanz- und Medikationssicherheitsprozesse. Insbesondere im stationären Bereich mit komplexen Arzneimitteltherapien gewinnt die systematische Erfassung und Analyse von Medikationsrisiken weiter an Bedeutung.




