Fachkräftemangel in Baden-Württemberg: Krankenhäuser setzen auf innovative Maßnahmen
Vielseitige Initiativen für ältere Beschäftigte und Nachwuchskräfte – Reformen und Digitalisierung als Schlüssel zur Fachkräftegewinnung
Baden-Württembergs Krankenhäuser setzen zunehmend auf maßgeschneiderte Strategien, um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenzuwirken. Eine aktuelle Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) unter den Mitgliedern des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VKD) zeigt, dass zwei Drittel der Krankenhäuser in den vergangenen zwei Jahren spezifische Programme entwickelt haben, um ältere Beschäftigte zu halten. Zudem bieten rund 80 Prozent spezielle Angebote, um den Einstieg für Nachwuchskräfte zu erleichtern.
Für die ältere Belegschaft werden Qualifizierungsmaßnahmen, flexible Arbeitszeitgestaltungen und die Möglichkeit, nach der Rente weiterzuarbeiten, angeboten. Ergänzt wird dies durch Programme zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen, Mentoring für die Digitalisierung und eine ausgebaute betriebliche Gesundheitsförderung. Auch die direkte Befragung älterer Beschäftigter zu ihren Bedürfnissen gehört zu den Maßnahmen.
Im Bereich der Nachwuchskräfte haben viele Kliniken Teilzeit-Ausbildungen, Mentoring-Programme und Karriereplanungen eingeführt, um jungen Mitarbeitern einen besseren Start zu ermöglichen. Eine besondere Maßnahme ist das Angebot, nach der Ausbildung einen Monat frei bei weiterlaufendem Gehalt zu erhalten.
Trotz dieser Bemühungen gelingt es nur etwa der Hälfte der Kliniken, ausreichend ärztliche Fachkräfte zu rekrutieren, während die Pflege noch stärker betroffen ist – nur 30 Prozent der Krankenhäuser können offene Stellen besetzen. Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung, betont die Notwendigkeit einer fortgesetzten Krankenhausreform sowie der Nutzung der Digitalisierung, um die Arbeitsgestaltung flexibler und bedarfsgerechter zu gestalten.
Der VKD Baden-Württemberg fordert ebenfalls eine Befreiung von kleinteiligen Vorschriften, um hochqualifizierte Fachkräfte effizient einsetzen zu können. Dr. Matthias Geiser, Vorsitzender der VKD-Landesgruppe, hebt hervor, dass Bürokratie und Dokumentationsaufgaben in der Pflege und bei Ärzten reduziert werden müssen, um die Arbeitskraft besser nutzen zu können.




