DBfK-Umfrage: Pflege fordert mehr Verantwortung und Mitsprache
Befragung zum Internationalen Tag der Pflegenden zeigt wachsenden Frust über Strukturen im Gesundheitswesen
Der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe sieht in seiner aktuellen Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ deutliche Hinweise auf zunehmenden Unmut professionell Pflegender über Arbeitsbedingungen und fehlende Beteiligung. Gleichzeitig zeigt die Erhebung, dass die Mehrheit der Pflegefachpersonen ihren Beruf weiterhin als sinnstiftend erlebt und bereit ist, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.
Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai hat der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe die Ergebnisse seiner bundesweiten Online-Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ veröffentlicht. Mehr als 3.000 beruflich Pflegende beteiligten sich an der Erhebung, die seit 2024 jährlich durchgeführt wird und zentrale Entwicklungen in der professionellen Pflege abbilden soll.
Die Ergebnisse zeichnen ein ambivalentes Bild der aktuellen Situation in der Pflege. Einerseits identifizieren sich viele Pflegefachpersonen weiterhin stark mit ihrem Beruf. 83 Prozent der Befragten ohne Führungsverantwortung bewerten ihre Tätigkeit als sinnstiftend. Zugleich erklären 76 Prozent, grundsätzlich bereit zu sein, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Andererseits wächst die Unzufriedenheit mit den strukturellen Rahmenbedingungen. Besonders kritisch bewerten die Teilnehmenden Arbeitsbelastung, fehlende Wertschätzung sowie mangelnde Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Nur rund drei Prozent stimmen der Aussage uneingeschränkt zu, dass die Kompetenz professionell Pflegender gesellschaftlich anerkannt werde.
Auch die Wechsel- und Ausstiegsbereitschaft bleibt hoch. Jeder fünfte Befragte ohne Führungsverantwortung dachte nach Angaben des DBfK in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals wöchentlich oder täglich über einen Arbeitgeberwechsel nach. 16 Prozent beschäftigten sich ebenso häufig mit dem Gedanken, den Pflegeberuf vollständig aufzugeben.
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Befragung lag auf dem Thema Führung und Beteiligungskultur. Viele Pflegefachpersonen berichten zwar über vorhandene Handlungsspielräume, kritisieren jedoch Defizite bei Transparenz, Konfliktmanagement und Veränderungsprozessen. Lediglich 22 Prozent der Befragten sehen Veränderungen in ihren Organisationen als partizipativ gestaltet an.
Vor dem Hintergrund aktueller gesundheitspolitischer Reformdebatten gewinnt die Studie zusätzliche Bedeutung. Themen wie Krankenhausreform, Pflegepersonalbemessung und Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung beeinflussen zunehmend die Diskussion über die zukünftige Rolle der Pflege im Versorgungssystem.
Besonders deutlich positioniert sich der DBfK beim geplanten Umgang mit dem Pflegebudget im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Nach Einschätzung vieler Führungskräfte in der Pflege schafft das Pflegebudget wichtige Spielräume für Professionalisierung, Rollenentwicklung, Digitalisierung und pflegerische Innovationen. Gleichzeitig bleibt die direkte Beteiligung der Pflege an Budgetverhandlungen gering. Nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsverantwortung gaben an, unmittelbar an entsprechenden Verhandlungen beteiligt zu sein.
DBfK-Präsidentin Vera Lux warnt daher vor einer Begrenzung des Pflegebudgets. Eine Deckelung würde nicht abstrakte Kosten reduzieren, sondern konkrete Entwicklungs- und Entlastungsmöglichkeiten der Pflege einschränken.





