S3-Leitlinie zur Nachsorge nach Lungentransplantation
Neue Leitlinie soll Ergebnisqualität verbessern und Versorgung standardisieren
Die neue S3-Leitlinie „Nachsorge von Erwachsenen nach Lungentransplantation“ schließt eine lang bestehende Versorgungslücke: Bislang gab es weder national noch international einheitliche Empfehlungen, wie Patientinnen und Patienten nach einer Lungentransplantation langfristig medizinisch begleitet werden sollen. Angesichts der hohen Komplexität des Verfahrens und der deutlichen Unterschiede in der Ergebnisqualität zwischen den Zentren soll die Leitlinie nun verlässliche, evidenzbasierte Standards etablieren.
Die Lungentransplantation ist in Deutschland ein seltenes Verfahren. Rund 350 Eingriffe pro Jahr entsprechen einer Häufigkeit von etwa vier Transplantationen pro eine Million Einwohner. Ähnlich ist die Aktivität in der Schweiz, während Österreich mit neun Prozeduren pro Million Einwohner deutlich darüber liegt. 2020 erfolgten Transplantationen in zehn deutschen Zentren sowie je zwei Zentren in der Schweiz und Österreich.
Insgesamt leben in Deutschland schätzungsweise rund 3.000 Menschen nach einer Lungentransplantation, ein Großteil davon in spezialisierten Nachsorgeeinrichtungen: „In den drei größten Zentren der MHH (1.033 Patienten), der LMU (600) und in Essen (300) werden die meisten Betroffenen nachbetreut“, heißt es in der Leitlinie.
Die Nachsorge gilt als hochgradig komplex und findet im deutschsprachigen Raum nahezu ausschließlich an universitären Einrichtungen statt. Daten zeigen eine deutliche Streuung der Ergebnisqualität: Das 3-Jahres-Überleben lag laut DSO-Tätigkeitsbericht 2019 je nach Zentrum zwischen 57 und 84 Prozent, international beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate der zwischen 2010 und 2017 transplantierten Patientinnen und Patienten 59 Prozent (Khush et al., JHLT 2018).
Ziel der neuen S3-Leitlinie ist es, konsentierte und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur ambulanten Nachsorge nach Entlassung aus der postoperativen Krankenhausbehandlung zu etablieren. Die Leitlinie soll eine einheitliche Betreuung ermöglichen und damit langfristig die Überlebensraten und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern. Aufgrund der Vielzahl möglicher Komplikationen und der hohen therapeutischen Anforderungen empfiehlt sie eine eng vernetzte, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Transplantationsmedizin, Allgemeinmedizin, pneumologischen Fachärzten und Rehabilitationsmedizin.




