Neue S3-Leitlinie: Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen
Evidenzbasierte Empfehlungen sollen Screening zielgerichteter und effektiver machen
Pünktlich zum Welttuberkulosetag 2026 ist die neue S3-Leitlinie zur Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen bei der AWMF online gegangen. Die Leitlinie wurde im Auftrag der Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin unter Federführung des Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose sowie des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung erstellt. In einem dreijährigen Prozess arbeiteten Expertinnen und Experten aus Public Health und Individualmedizin gemeinsam mit Betroffenen daran, das Screening und die Prävention von Tuberkulose in Deutschland zu verbessern. Die Entwicklung wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamer Bundesausschuss gefördert.
Aktuell unterliegt in Deutschland jeder Zuwanderer einer Tuberkuloseuntersuchung, sofern er in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt. „Da keinerlei Begleitumstände berücksichtigt werden, erfolgen aber einerseits viele unnötige Untersuchungen und fehlen andererseits Angebote für Menschen in anderen Unterkünften“, so Dr. Brit Häcker, federführende Autorin der Leitlinie.
Die Leitlinie empfiehlt nun ein risikoorientiertes Screening:
- Neu zugewanderte Personen aus Ländern mit einer Tuberkulose-Inzidenz von mehr als 100 pro 100.000 Einwohner sollen auf Tuberkulose untersucht werden.
- Personen bis 35 Jahre sollen zusätzlich auf eine Tuberkulose-Infektion (TBI) getestet werden.
- Bei positivem Befund wird eine präventive medikamentöse Therapie angeboten.
- Begleitfaktoren wie Vorerkrankungen, Mangelernährung oder erschwerte Fluchtumstände sollen für die Priorisierung berücksichtigt werden.
„Hierdurch können vorhandene Mittel effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden“, so Häcker.
Leitlinie richtet sich an Praxis und Politik
Die Empfehlungen zielen nicht nur auf medizinische Fachkräfte, sondern auch auf politische Entscheidungsträger. Prof. Dr. Berit Lange, wissenschaftliche Leiterin der Leitlinie, betont: „Mit dieser Empfehlung haben wir eine in Europa einmalige evidenzbasierte Grundlage für Prävention und Behandlung von Tuberkulose bei zugewanderten Menschen geschaffen.“
Langfristig sieht das Autoren-Team in Deutschland die Chance, Tuberkulose mittelfristig zu eliminieren. Damit würde das Land einen wichtigen Schritt im Rahmen der internationalen EndTB-Strategie gehen, der bereits 2018 und 2023 auf High-level-Treffen der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.
Die neue S3-Leitlinie liefert damit eine klare wissenschaftliche Basis, um Screeningstrategien zu verbessern, Versorgung zielgerichtet zu gestalten und die öffentliche Gesundheit nachhaltig zu schützen.






