S3-Leitlinie Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung (LL-KoPsS)
Neue evidenzbasierte Empfehlungen zur integrierten Behandlung komorbider psychischer Erkrankungen
Die neue S3-Leitlinie „Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung“ soll die Behandlung von Menschen mit gleichzeitig auftretenden Psychosen und Suchterkrankungen in Deutschland deutlich verbessern. Wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde und die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie mitteilen, bündelt die Leitlinie erstmals umfassend evidenzbasierte Empfehlungen für Diagnostik und Therapie dieser besonders komplexen Patientengruppe.
Die Leitlinie adressiert eine klinisch hochrelevante Versorgungslücke, da Psychosen in Kombination mit substanzbezogenen Störungen mit einem deutlich ungünstigeren Krankheitsverlauf assoziiert sind. Betroffene weisen häufiger Therapieabbrüche, Rückfälle und stationäre Wiederaufnahmen auf. Gleichzeitig zeigt die Datenlage, dass etwa die Hälfte aller Menschen mit psychotischen Erkrankungen im Verlauf ihres Lebens zusätzlich eine Suchterkrankung entwickelt.
Im Mittelpunkt der neuen Empfehlungen steht die Forderung nach einer integrierten Behandlung beider Störungsbilder. Diese soll idealerweise in multiprofessionellen Teams erfolgen, die sowohl psychiatrische als auch suchttherapeutische Expertise bündeln. Nach Einschätzung der Leitlinienautoren kann dieser Ansatz die Behandlungsadhärenz verbessern, Rückfälle reduzieren und die Zahl stationärer Aufenthalte senken.
Ist eine vollständige integrierte Versorgung nicht verfügbar, empfiehlt die Leitlinie zumindest eine eng abgestimmte Kooperation zwischen den beteiligten Behandlungssystemen, etwa durch strukturiertes Case Management. Entscheidend sei dabei, beide Erkrankungen nicht isoliert, sondern in ihrem wechselseitigen Zusammenhang zu behandeln.
Die Leitlinie enthält zudem spezifische Empfehlungen zur Pharmakotherapie. Für die Behandlung psychotischer Symptome werden atypische Antipsychotika bevorzugt, da diese nicht nur die Psychose beeinflussen, sondern auch einen positiven Effekt auf den Substanzkonsum haben können. In der Suchttherapie wird eine konsequente Zielorientierung empfohlen, die je nach individueller Situation Abstinenz oder zumindest eine deutliche Konsumreduktion umfasst.
Nach Angaben der Leitlinienkoordinatorin, Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, sei die Behandlung zwar anspruchsvoll, aber nachweislich wirksam, sofern sie strukturiert und integriert erfolgt. Auch Angehörige sollen stärker in den Behandlungsprozess einbezogen werden, da dies sowohl die Stabilität der Patienten als auch die Belastung im sozialen Umfeld verbessern könne.




