Universitätsspital Zürich legt Untersuchung zu Herzchirurgie offen

Bericht weist Übermortalität und Führungsversagen in den Jahren 2016 bis 2020 nach

Am Universitätsspital Zürich sind schwerwiegende Mängel in der Klinik für Herzchirurgie aus der Vergangenheit offiziell bestätigt worden. Wie das Spital mitteilt (Stand: 2026), hat eine unabhängige Administrativuntersuchung für den Zeitraum 2016 bis 2020 deutliche Defizite in medizinischer Praxis, Führung und Aufsicht aufgezeigt. Der Spitalrat hat den vollständigen Untersuchungsbericht veröffentlicht, um Transparenz über die Vorgänge herzustellen.

Auslöser der Untersuchung waren Hinweise auf eine auffällig erhöhte Mortalitätsrate, die im August 2024 zur Einsetzung einer externen Untersuchungskommission führten. Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass bei rund 4.500 Operationen eine statistisch signifikante Übermortalität von 68 bis 74 Todesfällen bestand. Zusätzlich wurden 307 Todesfälle individuell überprüft, wobei 11 als „nicht erwartbar“ eingestuft wurden.

Auch der Einsatz innovativer Medizinprodukte wurde kritisch bewertet. In 13 Fällen sei deren Anwendung – insbesondere von sogenannten Cardiobändern – als unangemessen beurteilt worden. Diese Befunde deuten laut Bericht auf strukturelle und organisatorische Defizite innerhalb der Klinik hin.

Als zentrale Ursachen identifiziert die Untersuchung insbesondere Führungsprobleme. Die überhastete Ernennung des damaligen Klinikleiters im Jahr 2015, mangelnde Führungskompetenz sowie bestehende Interessenkonflikte hätten wesentlich zur Entwicklung beigetragen. Darüber hinaus wird auch der damaligen Spitaldirektion und dem Spitalrat ein unzureichendes Aufsichts- und Kontrollverhalten attestiert.

Vor diesem Hintergrund hat der Spitalrat entschieden, die 11 nicht erwartbaren Todesfälle sowie die 13 als unangemessen bewerteten Medizinprodukteinsätze der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich zur strafrechtlichen Prüfung zu übergeben. Parallel dazu entschuldigten sich Spitalrat und Direktion bei den betroffenen Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen für das entstandene Leid.

Die Aufarbeitung der Vorkommnisse hatte bereits im Jahr 2020 begonnen. Nach einem Führungswechsel in der Herzchirurgie sei das Qualitätsniveau inzwischen wieder auf einem hohen Stand, vornehmlich gemessen an den aktuellen Mortalitätsraten.

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