Pirmasenser Krankenhaus unter Druck: Geschäftsführer warnt vor Kosten und Bürokratie

Steigende Fallzahlen in der Kardiologie, hohe Defizite und Reformunsicherheit prägen die Planung für 2026

Pirmasens – Das Krankenhaus Pirmasens steht vor erheblichen wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen. Der neue Geschäftsführer Christian Koob hat im Stadtrat dargelegt, welche Faktoren dem Haus aktuell Sorgen bereiten, berichtet Die Rheinpfalz. Anlass war die Verabschiedung des Wirtschaftsplans 2026, der ein Defizit von rund 13 Millionen Euro ausweist.

Trotz der angespannten Finanzlage sieht Koob die medizinische Nachfrage grundsätzlich positiv. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Krankenhaus insgesamt steigende Fallzahlen.

Während Koob bei den Fallzahlen keinen strukturellen Nachteil für das Krankenhaus erkennt, bereiten ihm die Kostenentwicklungen große Sorgen. Steigende Personalkosten, hohe Energiepreise sowie zunehmende Ausgaben für medizinische Produkte setzen das Haus unter Druck. Zusätzliche Belastungen entstehen durch neue gesetzliche Vorgaben im Bereich der IT-Sicherheit. Das geplante KRITIS-Dachgesetz zum Schutz kritischer Infrastrukturen könnte erhebliche Zusatzkosten verursachen.

Besonders deutlich kritisierte Koob die zunehmende Bürokratie im Krankenhausbetrieb. Nach seinen Angaben sind derzeit vier Mitarbeitende ausschließlich damit beschäftigt, Begründungen für die medizinische Notwendigkeit von Leistungen zu formulieren. Vorgaben wie die Pflegeuntergrenzenverordnung erforderten die Aufbereitung umfangreicher Datensätze. Auch die Qualitätssicherung verursache einen hohen administrativen Aufwand. Im Stadtrat wurde angeregt, die dadurch entstehenden Zusatzkosten systematisch zu erfassen.

Um dem Kostendruck entgegenzuwirken, plant Koob mehrere Maßnahmen. Dazu zählen ein neues Belegungsmanagement zur effizienteren Nutzung der Betten sowie ein Fallmanagement, das sicherstellen soll, dass Behandlungen wirtschaftlich tragfähig bleiben. Investitionen sollen vorerst auf ein Minimum beschränkt werden.

Ein weiterer Ansatz ist die verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Kliniken. Koob denkt dabei an Kooperationen in den Bereichen IT und Labor.

Grundsätzlich bleibt die Lage durch die anstehende Krankenhausreform unsicher. Verlässliche Planungsgrundlagen für Finanzierung, Personal und Investitionen erwartet Koob erst ab 2027.

Die Situation des Pirmasenser Krankenhauses verdeutlicht damit exemplarisch, vor welchen Herausforderungen kommunale Kliniken derzeit stehen: steigende Nachfrage trifft auf wachsende Kosten, hohe Bürokratie und eine Reform, deren Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar sind.

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