Petition zur Krankenhausversorgung im Westallgäu erreicht Kreisausschuss

Landkreis Lindau berät über Forderung nach neuem Klinikstandort – Verwaltung setzt auf Kooperation bestehender Häuser und Ausbau ambulanter Strukturen

Die Diskussion um die zukünftige Krankenhausversorgung im Westallgäu beschäftigt erneut die Kommunalpolitik. Der Kreisausschuss des Landkreis Lindau wird sich in einer öffentlichen Sitzung mit einer Bürgerpetition befassen, die die Wiedererrichtung eines Krankenhauses in der Region fordert. Hintergrund ist die Schließung der Rotkreuzklinik Lindenberg, die bei vielen Einwohnerinnen und Einwohnern Sorgen um eine wohnortnahe stationäre Versorgung ausgelöst hat. Wie der Landkreis in einer Mitteilung berichtet, soll der Ausschuss dem Kreistag eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen geben.

Die Online-Petition „Wir brauchen wieder ein Krankenhaus im Westallgäu“ wurde Anfang Februar 2026 auf der Plattform Change.org gestartet und am 21. Februar an Landrat und Kreisverwaltung übergeben. Insgesamt wurden 4.546 Unterschriften gesammelt. Rund 2.000 Unterstützerinnen und Unterstützer stammen aus dem Landkreis Lindau selbst, etwa 500 aus der Stadt Lindau sowie aus Gemeinden im Einzugsgebiet der Asklepios Klinik Lindau. Weitere Stimmen verteilen sich auf andere Regionen Deutschlands.

Landrat Elmar Stegmann erklärte im Zusammenhang mit der Petition, dass der Wunsch nach einer verlässlichen und wohnortnahen medizinischen Versorgung nachvollziehbar sei. Zugleich verweist die Kreisverwaltung auf die strukturellen Veränderungen im Krankenhaussektor, die auch kleinere Standorte zunehmend vor wirtschaftliche und organisatorische Herausforderungen stellen.

Nach Darstellung des Landkreises befindet sich die Krankenhauslandschaft bundesweit seit Jahren in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Medizinischer Fortschritt ermöglicht viele Eingriffe inzwischen ambulant oder mit deutlich kürzeren stationären Aufenthalten. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Spezialisierung und Qualitätsstandards. Hinzu kommt ein anhaltender Fachkräftemangel im ärztlichen und pflegerischen Bereich. Diese Entwicklungen führen dazu, dass kleinere Krankenhausstrukturen häufig unter Druck geraten.

Bereits zuvor hatte der Landkreis ein Gutachten zur künftigen Krankenhausstruktur in der Region erstellen lassen. Die Analyse kam zu dem Ergebnis, dass eine langfristig stabile Versorgung durch eine Zusammenführung der Standorte Lindenberg, Lindau und Wangen in einem gemeinsamen Krankenhaus möglich gewesen wäre. Ein solcher Verbund hätte eine Bündelung von Personalressourcen ermöglicht und Spezialisierungen erleichtert. Nachdem sich das Land Baden-Württemberg aus entsprechenden Planungen zurückgezogen hat, wird nun geprüft, wie durch stärkere Kooperationen bestehender Kliniken die regionale Versorgung gesichert werden kann.

Nach Einschätzung der Kreisverwaltung würde ein zusätzliches Krankenhaus im Westallgäu – etwa am früheren Standort der Rotkreuzklinik – die bestehenden strukturellen Probleme nicht lösen. Insbesondere die begrenzten Personalressourcen sowie potenziell zu geringe Fallzahlen könnten eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Versorgung erschweren. Gleichzeitig würde ein weiterer Standort das Risiko neuer Doppelstrukturen im regionalen Klinikangebot erhöhen.

Parallel arbeitet der Landkreis an Konzepten zur Stärkung der ambulanten Versorgung. Geplant ist unter anderem die Einrichtung eines hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums in Lindenberg, um offene Hausarztsitze zu besetzen und die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Ergänzend wird eine Anlaufstelle für akute, aber nicht lebensbedrohliche Erkrankungen mit erweiterten Öffnungszeiten geprüft.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert