Ostholstein: Landrat Gaarz wirft Ameos massiven Vertrauensmissbrauch vor
Kritik an überhasteten Leistungsverlagerungen – Kommunale Ebene sieht sich bei Klinik-Neuordnung übergangen
Im Kreis Ostholstein wächst die Kritik an der Kommunikation geplanter Strukturveränderungen durch die Ameos Gruppe. Landrat Timo Gaarz spricht von einem Vertrauensverlust gegenüber dem Klinikbetreiber. Hintergrund sind kurzfristig angekündigte Leistungsverlagerungen an regionalen Klinikstandorten. Die Geriatrie aus Middelburg und das interdisziplinäre Schmerzzentrum vom Standort Fehmarn werden am Oldenburger Ameos Klinikum integriert. Dort sollen keine komplexen chirurgischen Eingriffe mehr erfolgen.
Die angekündigten Strukturveränderungen der Ameos-Gruppe in Ostholstein stoßen auf deutliche Kritik aus der Kommunalpolitik. Im Zentrum steht dabei weniger der Inhalt der geplanten Maßnahmen als vielmehr die Art der Kommunikation. Landrat Timo Gaarz bemängelt insbesondere den engen Zeitrahmen sowie die fehlende Einbindung kommunaler Akteure im Vorfeld der Entscheidungen.
Nach Angaben des Kreises wurden zentrale Informationen zu den geplanten Leistungsverlagerungen kurzfristig veröffentlicht – teilweise noch vor geplanten Abstimmungsformaten wie einer Regionalkonferenz. Aus Sicht der kommunalen Ebene widerspricht dies den Anforderungen an transparente und abgestimmte Entscheidungsprozesse im sensiblen Bereich der stationären Versorgung.
Gaarz verweist darauf, dass die Krankenhauslandschaft bundesweit unter erheblichem Reformdruck stehe. Gerade vor diesem Hintergrund sei es notwendig, strukturelle Veränderungen nachvollziehbar zu begründen und frühzeitig mit allen Beteiligten zu diskutieren. Betroffen seien nicht nur Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende, sondern auch die kommunale Selbstverwaltung, die eine zentrale Rolle in der regionalen Daseinsvorsorge einnimmt.
Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die aus Sicht des Kreises unzureichende Abstimmung mit lokalen Entscheidungsträgern. Dass kommunale Vertreter wesentliche Informationen zunächst über Medienberichte oder unter hohem Zeitdruck erhalten hätten, sei kein angemessener Umgang mit der Tragweite solcher Entscheidungen. Der daraus resultierende Vertrauensverlust sei eine unmittelbare Folge dieser Kommunikationsstrategie.
Auch nach Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium bleibt für den Kreis offen, warum die Maßnahmen in dieser Geschwindigkeit umgesetzt werden sollen. Die fehlende Verzahnung zwischen Unternehmensentscheidungen und politischen Abstimmungsprozessen verschärft die Situation zusätzlich.
Um mehr Transparenz zu schaffen, sollen Vertreter der Ameos-Gruppe nun im Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit des Kreises Stellung beziehen. Die Sitzung bietet der kommunalen Selbstverwaltung die Möglichkeit, die geplanten Veränderungen zu bewerten und öffentlich zu diskutieren. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie regionale Krankenhausstrukturen künftig gesteuert und kommuniziert werden sollen.






