Kreiskrankenhaus Rotenburg fordert Millionen-Hilfe

3,5-Millionen-Euro-Darlehen soll Liquidität sichern – Kardiologie als strategischer Anker in der Krankenhausreform

Das Kreiskrankenhaus Rotenburg (KKH) steht an einem entscheidenden Wendepunkt seiner Geschichte. Während die bundesweite Krankenhausreform und der neue hessische Krankenhausplan dem Standort eine zentrale Rolle in der regionalen Notfallversorgung zuweisen könnten, kämpft das Haus unter der Trägerschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf mit massiven wirtschaftlichen Problemen, berichtet die HNA. Geschäftsführer Horst Beißel hat beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg ein Liquiditätsdarlehen in Höhe von 3,5 Millionen Euro beantragt, um die Zahlungsfähigkeit bis Ende 2028 zu garantieren und die stationäre Versorgung abzusichern.

Hintergrund der prekären Lage sind nicht nur steigende Personal- und Strukturkosten, sondern auch konkret bezifferte Erlösrisiken. Durch den Wegfall der Meistbegünstigten-Klausel und bestimmter Rechnungszuschläge drohen dem KKH ab Ende 2026 jährlich wiederkehrende Erlösausfälle von rund 1,58 Millionen Euro. Trotz dieser finanziellen Schieflage betont die Klinikleitung, dass die Liquidität aktuell nicht akut gefährdet sei.

Strategisch setzt das KKH konsequent auf den Ausbau der Kardiologie, um sich für die künftige leistungsgruppenbasierte Planung des Landes Hessen zu positionieren. Mit einer Investition von 1,8 Millionen Euro wurde bereits ein neues Herzkatheterlabor sowie eine modernisierte Funktionsabteilung in Betrieb genommen.

Aus Sicht des Klinikmanagements und des Medizincontrollings zeigt das Beispiel Rotenburg exemplarisch die riskante „Wette auf die Zukunft“, die viele Häuser derzeit eingehen müssen. Die Investition von 1,8 Millionen Euro in die interventionelle Kardiologie ist medizinstrategisch zwingend, um die Kriterien für die künftige Notfallversorgung zu erfüllen. Dennoch bleibt sie finanziell hochriskant, solange die rechtssichere Zuteilung der Leistungsgruppen durch den Medizinischen Dienst noch aussteht.

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