Havelland Kliniken: Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen – umfassende Aufarbeitung eingeleitet

Klinik betont oberste Priorität des Kinderschutzes und kooperiert eng mit Ermittlungsbehörden

Die Havelland Kliniken GmbH (HKG) haben am 14. Januar 2026 über laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam im Zusammenhang mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Kindes informiert. Der mutmaßliche Vorfall soll sich am 2. November 2025 im Rahmen einer medizinischen Untersuchung ereignet haben. Der Tatverdacht richtet sich gegen einen Arzt, der inzwischen gekündigt wurde und sich derzeit in Untersuchungshaft befindet. Die Anzeige wurde von der Mutter des betroffenen Kindes erstattet.

Die Klinikleitung zeigte sich tief betroffen und erklärte, ihre Gedanken seien bei dem betroffenen Kind und dessen Familie. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen derzeit, ob es weitere Verdachtsfälle gibt und ob diese einen Bezug zu den Havelland Kliniken haben. Die HKG betont, die Ermittlungen sehr ernst zu nehmen und vollumfänglich mit den zuständigen Behörden zu kooperieren.

Klinikleitung: Kinderschutz hat höchste Priorität

Hauptgeschäftsführer Thilo Spychalski unterstrich die Verantwortung der Klinik: „Der Schutz von Kindern ist für uns nicht verhandelbar und hat oberste Priorität.“ Gleichzeitig verwies er auf die Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden für die strafrechtliche Aufklärung. Parallel zu den Ermittlungen habe die Klinik eine interne Aufarbeitung angestoßen, um Abläufe, Verantwortlichkeiten und bestehende Schutzmechanismen kritisch zu überprüfen. Ziel sei es, den Kinderschutz im Klinikalltag verbindlich und nachvollziehbar weiter zu stärken.

Auch der Ärztliche Direktor Mike Lehsnau betonte, dass Vertrauen in der medizinischen Versorgung von Kindern eine zentrale Grundlage sei. Alle nun eingeleiteten Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, dieses Vertrauen zu schützen und zu erhalten.

Überprüfung und Weiterentwicklung des Kinderschutzkonzepts

Nach Angaben der HKG ist in den Kliniken ein Kinderschutzkonzept etabliert, das unter anderem das Vier-Augen-Prinzip, verbindliche Dokumentationsstandards sowie regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende vorsieht. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin und Kinderschutzbeauftragte Torsten Kautzky erklärte, dass dieses Konzept angesichts der aktuellen Entwicklungen umfassend überprüft und weiterentwickelt werde.

Die interne Aufarbeitung umfasst sowohl die Prüfung des konkreten Sachverhalts als auch der bestehenden Schutzstrukturen. Ziel sei es, Zuständigkeiten zu schärfen, Abläufe zu präzisieren und den Kinderschutz nachhaltig zu stärken.

Sonderbeauftragte und externe Expertise eingebunden

Zur strukturierten Begleitung der internen Aufarbeitung wurde Carolin Himburg, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement, als fallbezogene Sonderbeauftragte benannt. Ihre Aufgabe ist es, interne Abläufe zu analysieren und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Schutzmechanismen abzuleiten. Eine Bewertung strafrechtlicher Aspekte ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Funktion.

Zusätzlich hat die Klinikleitung Anfang Januar 2026 mit Hans Leitner, dem ehemaligen Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, einen externen, unabhängigen Experten berufen. Leitner arbeitet weisungsunabhängig und soll die bestehenden Schutzmechanismen fachlich bewerten sowie die Weiterentwicklung des Kinderschutzkonzepts begleiten.

Unterstützung für Eltern und Angehörige

Zur Unterstützung von Eltern und Angehörigen hat die HKG ein Elterntelefon eingerichtet. Dieses wird von der KiZ gGmbH, einer externen und unabhängigen Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, betrieben. Die Klinik weist darauf hin, dass Hinweise mit möglicher Relevanz für die Ermittlungen direkt an die Polizei zu richten sind.

Nach aktuellem Kenntnisstand gebe es keine Hinweise auf weitere vergleichbare Verdachtsfälle. Gleichwohl wolle man Sorgen von Eltern ernst nehmen und zusätzliche Anlaufstellen schaffen. Die Havelland Kliniken kündigten an, die Öffentlichkeit über den Fortgang der internen Aufarbeitung zu informieren; eine erste Zwischeninformation ist innerhalb der kommenden vier Wochen vorgesehen.

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