Mehrheit der Deutschen vertraut Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen
Bitkom-Studie zeigt hohe Akzeptanz für KI in Diagnostik, Therapie und Organisation – gleichzeitig bestehen Sorgen zu Datenschutz und menschlicher Zuwendung
Künstliche Intelligenz ist im medizinischen Alltag angekommen – und wird von der Bevölkerung zunehmend angenommen. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage bewerten 71 Prozent der Menschen in Deutschland den Einsatz von KI im Gesundheitswesen positiv. Anwendungen wie diagnostische Assistenzsysteme, Chatbots zur Ersteinschätzung oder automatisierte Terminorganisation stoßen auf breite Zustimmung.
Immer mehr Menschen greifen bei gesundheitlichen Fragen direkt auf KI-gestützte Tools zurück. 45 Prozent nutzen Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Copilot zur Symptomklärung oder allgemeinen Gesundheitsfragen – Tendenz steigend. Über die Hälfte der Nutzer (55 Prozent) vertraut den Antworten dieser Systeme, und 50 Prozent empfinden die Einschätzungen als hilfreicher als klassische Internetsuchen.
Ein Teil der Befragten ersetzt sogar ärztliche Ratschläge durch KI: 16 Prozent haben bereits eine medizinische Empfehlung zugunsten eines KI-Chatbots verworfen. Gleichzeitig bleibt Unsicherheit: 39 Prozent wissen nicht, wie viele Gesundheitsdaten sie Chatbots anvertrauen sollten.
Bitkom-Vizepräsidentin Christina Raab betont daher: „Vertrauen und Transparenz sind entscheidend.“
Die Befragten sehen KI vor allem als unterstützendes Diagnoseinstrument. Besonders häufig werden folgende Einsatzfelder befürwortet:
- Einholen einer Zweitmeinung (74 %)
- Diagnostik und Therapieempfehlungen (72 %)
- Früherkennung, etwa bei Krebs (64 %)
- Bildanalyse bei CT oder Röntgen (59 %)
Auch organisatorische Aufgaben – Telefonate, Terminvereinbarung, Dokumentation – werden von 56 Prozent als sinnvolle Einsatzbereiche gesehen.
Gleichzeitig bestehen Sorgen, insbesondere hinsichtlich:
- Datenmissbrauch (71 %)
- geringerer menschlicher Zuwendung (69 %)
- Fehlentscheidungen der KI (56 %)
Trotz dieser Bedenken sprechen sich 76 Prozent dafür aus, dass Ärztinnen und Ärzte KI-Unterstützung nutzen sollten, wenn möglich.
Digitale Gesundheitsanwendungen sind im Alltag vieler Menschen etabliert: 73 Prozent der Smartphone-Nutzer verwenden mindestens eine Health-App. Besonders verbreitet sind zentrale Gesundheits-Apps, Sport-Tracker und Fitnessprogramme.
Viele Nutzende berichten nachweisbare Verbesserungen:
- 64 % fühlen sich gesünder
- 60 % bewegen sich mehr
- 36 % haben Gewicht reduziert
Allerdings empfinden 14 Prozent Druck durch Fitness-Apps – ein Hinweis auf die Bedeutung einer verantwortungsvollen Gestaltung digitaler Anwendungen.
Seit Januar 2025 wird die elektronische Patientenakte (ePA) automatisch bereitgestellt. 62 Prozent möchten aktiv darauf zugreifen – jedoch empfinden viele den Zugang über die Gesundheits-ID als zu komplex.
Zentrale Vorteile der ePA werden klar erkannt:
- bessere Datenverfügbarkeit (76 %)
- weniger Doppeluntersuchungen (62 %)
- aktiveres Gesundheitsmanagement (62 %)
Herausforderungen bestehen im Umgang mit weniger digital-affinen Gruppen sowie bei der Nutzerfreundlichkeit.
Die große Mehrheit (88 Prozent) befürwortet die digitale Transformation des Gesundheitswesens. Für 43 Prozent ist sie ein Schlüssel zur Bewältigung des Fachkräftemangels, für 46 Prozent eine Chance zur Kostensenkung.
Bitkom fordert innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen, schnellere Zulassungswege für KI-Anwendungen und eine Vereinfachung des digitalen Zugangs – insbesondere bei der ePA. Raab betont: Nur wenn Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit gewährleistet sind, kann KI ihre Potenziale voll entfalten.




