KI-Reallabor Baden-Württemberg startet für Gesundheitsversorgung
SAINDBOX am Bosch Health Campus ermöglicht sichere Tests von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen
Baden-Württemberg hat das bundesweit einzigartige KI-Reallabor Gesundheit gestartet. Nach einer rund einjährigen Aufbauphase öffnet die sogenannte SAINDBOX – AI Health Sandbox BW am Bosch Health Campus in Stuttgart ihre Infrastruktur für externe Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Gesundheitsversorgung und Wirtschaft. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz schneller, sicherer und regulatorisch begleitet in die medizinische Praxis zu überführen.
Das vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg geförderte Projekt soll Unternehmen, Versorgungseinrichtungen und Wissenschaft einen geschützten Testraum bieten, um KI-Anwendungen unter realen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln.
Geschützter Testraum für vertrauenswürdige KI
Mit dem KI-Reallabor Gesundheit Baden-Württemberg verfolgt das Land das Ziel, Innovationen im Gesundheitswesen schneller aus der Forschung in die Versorgung zu bringen. Die Initiative reagiert auf zentrale Herausforderungen wie den demografischen Wandel, den zunehmenden Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an die medizinische Versorgung.
Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand betonte zum Start des Reallabors, dass Künstliche Intelligenz diese Herausforderungen nicht allein lösen könne, aber dabei helfen könne, begrenzte Ressourcen gezielter einzusetzen und die Versorgung langfristig zu sichern.
Auch Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus, sieht in der praktischen Erprobung von KI-Anwendungen eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems. Das Reallabor ermögliche es, KI praxisorientiert und unter realen Bedingungen zu testen.
Das Ministerium fördert den Aufbau und Betrieb des KI-Reallabors seit 2025 mit rund einer Million Euro jährlich. Die technische Infrastruktur wurde am Bosch Digital Innovation Hub des Bosch Health Campus in Stuttgart aufgebaut.
Umsetzung des EU AI Act im Gesundheitsbereich
Mit der SAINDBOX greift Baden-Württemberg zentrale Ziele der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) auf. Das Reallabor soll einen Raum schaffen, in dem Entwicklerinnen und Entwickler, medizinische Einrichtungen, Wissenschaft, Behörden und Gesellschaft gemeinsam Erfahrungen mit dem Einsatz von KI sammeln können.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen zu Datenzugang, regulatorischen Anforderungen und der praktischen Implementierung von KI-Systemen. Nach Angaben von Prof. Dr. Oliver G. Opitz, Leiter des Bosch Digital Innovation Hubs und verantwortlich für das KI-Reallabor, sollen technische Entwicklung und regulatorische Bewertung frühzeitig miteinander verbunden werden.
Durch diesen Ansatz sollen mögliche Hürden nicht erst nach der Entwicklung einer Anwendung sichtbar werden, sondern bereits während des Innovationsprozesses berücksichtigt werden.
KI-gestützte Patientensteuerung als erstes Einsatzfeld
Ein zentraler Anwendungsfall des Reallabors ist derzeit die Entwicklung einer KI-gestützten Patientensteuerung. Die Anwendung soll Patientinnen und Patienten schneller zur passenden Versorgungsebene führen und damit die Versorgungsstrukturen effizienter nutzen.
Erprobt wird der Ansatz zunächst in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens, darunter der hausärztlichen Versorgung, der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Notaufnahme.
Über die Aufnahme neuer Projekte entscheidet ein externer SAINDBOX-Beirat. Dieser wählt zweimal jährlich eine begrenzte Anzahl von Anwendungsszenarien aus, die über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten regulatorisch begleitet werden. Eine finanzielle Förderung einzelner Projekte ist damit nicht verbunden.




