KI-Agenten im Schockraum: Köln, Telekom und Fraunhofer entwickeln hochsichere Assistenzsysteme für die Notfallmedizin
Echtzeitunterstützung für Behandlung, Priorisierung und Dokumentation – Projektpartner setzen neue Maßstäbe in der klinischen Digitalisierung
Die Deutsche Telekom, das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und die Kliniken der Stadt Köln entwickeln gemeinsam eine neue KI-gestützte Lösung zur Unterstützung in der Notfallmedizin. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, entsteht aktuell im Krankenhaus Merheim anhand detaillierter Schockraum-Simulationen ein KI-Agent, der medizinische Gespräche in Echtzeit mitschneidet, strukturiert und nach dem ABCDE-Schema priorisiert – ein Verfahren, das in der Polytraumaversorgung internationaler Standard ist.
Ziel ist es, Ärzt*innen und Pflegekräfte im hochbelasteten Schockraum zu entlasten, Fehler zu reduzieren und die Versorgung Schwerverletzter weiter zu verbessern. Das System soll zugleich eine automatisierte und strukturierte Dokumentation ermöglichen.
KI-Agenten unterstützen in Echtzeit – und dokumentieren automatisch
Im Schockraum arbeiten oft bis zu zehn Fachkräfte parallel an Diagnostik, Therapie und Kommunikation. Sämtliche medizinisch relevanten Informationen werden verbal übermittelt – unter enormem Zeitdruck. Die nun entwickelte KI-Anwendung soll diese Gespräche automatisch mitschneiden, analysieren und priorisieren. Der KI-Agent ordnet medizinische Aussagen den Kategorien des lebensrettenden ABCDE-Schemas zu (Airway, Breathing, Circulation, Disability, Exposure) und zeigt die Lage mittels Ampellogik live an. Wird beispielsweise ein „grobblasiges Rasselgeräusch“ beschrieben, erkennt die KI die Relevanz für die Atemwegssicherung und ordnet die Information der entsprechenden Kategorie zu. Parallel werden die Informationen in Dokumentations- und Qualitätssicherungsformulare übertragen.
„Mit der Entwicklung eines vielseitig einsetzbaren Multi-Agenten-Frameworks […] schaffen wir die Grundlage für eine Entlastung des Personals bei der Versorgung Schwerstverletzter“, erklärt Dr. Stefan Rüping vom Fraunhofer IAIS. Jerome Defosse, Leitender Oberarzt in Köln-Merheim, ergänzt, die enge Verzahnung von Forschung und Klinikalltag sei entscheidend, damit KI-Agenten künftig „einen spürbaren Fortschritt für die Notfallversorgung bringen könnten.“
Datenschutzkonform im Cloud-Edge-Verbund
Die Anwendung kann vollständig offline direkt im Krankenhaus betrieben werden – oder über die Cloud innerhalb der hochsicheren Open Telekom Cloud. Damit soll gewährleistet werden, dass alle Daten ausschließlich in Europa und nach strengsten Datenschutzvorgaben verarbeitet werden. Das Projekt ist Teil des europaweiten IPCEI-CIS-Programms („Multi-Provider Cloud-Edge Kontinuum“), das eine souveräne europäische Infrastruktur aufbaut. Die Architektur ist als Blaupause für weitere hochsensible Bereiche gedacht.
„KI-Agenten im Schockraum sind […] eine interoperable Blaupause, die für andere hochsensible Branchen Vorbildcharakter hat“, so Ferri Abolhassan, CEO T-Systems.
Prototyp soll 2026 in Betrieb gehen
Die Entwicklung basiert auf dem vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Projekt TraumAInterfaces. Die neuen Erkenntnisse sollen nun im europäischen Projektkontext weiterentwickelt werden. Ein offline-fähiger Prototyp im Krankenhausbetrieb wird für Sommer 2026 erwartet. Zu den beratenden Partnern gehören das Bundeswehrkrankenhaus Berlin und das Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf.
„Für uns hat die Resilienz der KI-Assistenz oberste Priorität – sie muss […] absolut zuverlässig und sicher funktionieren“, betont Thorsten Tjardes vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin.




