EURAID-Leitfaden zeigt Wege für verantwortungsvolle KI im Krankenhaus
Europäisches Expertenteam legt praxisnahe Empfehlungen für Entwicklung und Einführung klinischer KI-Systeme vor
Dresden/Berlin, Januar 2026. Mit dem Leitfaden EURAID – European Responsible AI Development liegt erstmals eine strukturierte Handlungsempfehlung für Krankenhäuser vor, wie KI-Systeme sicher, rechtskonform und menschenzentriert entwickelt und eingeführt werden können. Der Leitfaden wurde unter Beteiligung zahlreicher Akteure aus Universitätskliniken, Forschung, Regulierung und Selbstverwaltung erarbeitet und adressiert zentrale Herausforderungen der digitalen Transformation im Klinikalltag.
Wie die beteiligten Einrichtungen mitteilen, entstand EURAID unter gemeinsamer Leitung von Prof. Stephen Gilbert vom Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit an der Technischen Universität Dresden und Dr. Anke Diehl vom Universitätsklinikum Essen. Ziel sei es, Krankenhäusern eine praxisnahe Orientierung für die sogenannte „in-house“-Entwicklung, Validierung und Implementierung von KI-Systemen zu geben, die Versorgungsqualität verbessern, ohne medizinisches Fachpersonal zusätzlich zu belasten.
Der Leitfaden reagiert auf die bislang schleppende Einführung klinischer KI-Anwendungen. Trotz rascher technologischer Fortschritte und politischer Initiativen – darunter der Vorschlag der Europäischen Kommission vom 16. Dezember 2025 zur Anpassung von MDR und IVDR – scheitern viele KI-Systeme laut EURAID an der Integration in bestehende klinische Arbeitsabläufe. Häufig würden standortspezifische Anforderungen und die Perspektiven der Anwenderinnen und Anwender in der Entwicklungsphase unzureichend berücksichtigt.
EURAID setzt deshalb auf einen konsequent menschenzentrierten Ansatz. Der Leitfaden beschreibt Rollen, Verantwortlichkeiten und Beteiligungsgrade aller relevanten Stakeholder entlang des gesamten KI-Lebenszyklus. Medizinisches und pflegerisches Personal wird dabei nicht nur als Nutzende, sondern als aktiv Mitgestaltende der Systeme verstanden. Ergänzt wird dies durch Empfehlungen zu iterativem Design, klinischer Evaluation, Governance-Strukturen und Konsensbildung.
Inhaltlich orientiert sich EURAID an europäischen Werten und regulatorischen Vorgaben. Dazu zählen der Schutz von Grundrechten, Transparenz und Nachvollziehbarkeit von KI-Systemen, menschliche Aufsicht sowie Fairness und Nichtdiskriminierung. Die Empfehlungen basieren auf Erfahrungen aus deutschen Universitätskliniken unter anderem in Dresden, Essen, Hamburg und Aachen sowie Beiträgen des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, von Kranken- und Unfallversicherungen, Gewerkschaften und Forschungseinrichtungen.
Für Krankenhausleitungen und Digitalverantwortliche bietet der Leitfaden konkrete Ansatzpunkte: Empfohlen werden unter anderem interne Reifegradanalysen, der Aufbau übergreifender KI-Governance-Strukturen und klar definierte Zuständigkeiten, die technische, klinische, rechtliche und ethische Aspekte verbinden. Ziel ist es, KI-Systeme dauerhaft und sicher in die Routineversorgung zu integrieren und so einen tatsächlichen Mehrwert für Versorgung und Mitarbeitende zu schaffen.




