Fraunhofer IPA und ZEQ starten Gesundheitsrobotik-Kooperation

Klinikberatung und Robotik-Expertise sollen Assistenzroboter in Krankenhäuser bringen

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und die Unternehmensberatung ZEQ haben eine strategische Zusammenarbeit zur Einführung von Assistenzrobotik und KI-gestützten Lösungen im Gesundheitswesen gestartet. Ziel ist es, Krankenhäuser, Rehakliniken und Pflegeeinrichtungen beim strukturierten Einsatz robotischer Systeme zu unterstützen – von der Prozessanalyse über Pilotprojekte bis zur Integration in den klinischen Alltag. Die Kooperation adressiert insbesondere die Herausforderungen durch Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Prozesseffizienz und digitale Transformation.

Mit der neuen Zusammenarbeit wollen Fraunhofer IPA und ZEQ Krankenhäusern einen systematischen Zugang zur Gesundheitsrobotik ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die technische Einführung neuer Systeme, sondern deren sinnvolle Einbindung in bestehende Versorgungs- und Organisationsstrukturen.

Das Fraunhofer IPA bringt seine Kompetenzen in den Bereichen Robotik, Automatisierung, künstliche Intelligenz und Systemintegration ein. ZEQ ergänzt diese Perspektive durch Erfahrung in Klinikstrategie, Organisationsentwicklung und Change Management.

Nach Angaben der Partner soll zunächst analysiert werden, welche Prozesse in einer Einrichtung für den Einsatz von Robotern geeignet sind. Dabei werden vorhandene Infrastruktur, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und konkrete Versorgungsanforderungen berücksichtigt. Erst anschließend sollen Machbarkeitsanalysen, Pilotierungen und eine mögliche Skalierung erfolgen.

Das Spektrum möglicher Anwendungen ist breit. Dazu zählen unter anderem autonome Transportroboter für Hol- und Bringdienste, Reinigungs- und Desinfektionsroboter sowie interaktive Systeme zur Patienteninformation und Unterstützung von Abläufen auf Station. Auch körperliche Entlastung des Personals steht im Fokus. Exoskelette könnten beispielsweise bei belastenden Tätigkeiten in Pflege und Versorgung unterstützen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Kooperation liegt nach Angaben der Beteiligten auf der sogenannten Multiaufgabenintegration. Dabei sollen bestehende Roboterplattformen so weiterentwickelt werden, dass sie mehrere Aufgaben übernehmen können – etwa Materialtransporte, die Erfassung von Vitaldaten oder Unterstützung bei Dokumentationsprozessen.

Darüber hinaus arbeitet das Fraunhofer IPA daran, Robotersysteme stärker mit der vorhandenen Klinik-Infrastruktur zu verbinden. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, Türen oder Aufzüge selbstständig zu nutzen und sich dadurch besser in bestehende Arbeitsabläufe einzufügen.

Die Partner sehen den Fachkräftemangel als einen wesentlichen Treiber für neue technologische Lösungen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig betonen sie, dass Robotik nicht als reine Technikeinführung verstanden werden dürfe. ZEQ-Vorstand Nico Kasper verweist darauf, dass Robotik und KI ihren Nutzen nur entfalten könnten, wenn sie konkrete Probleme im Klinikalltag lösen, von Mitarbeitenden akzeptiert werden und wirtschaftlich tragfähig seien. Für Andreas Traube, Leiter des Geschäftsbereichs Gesundheitsindustrie am Fraunhofer IPA, liegt die zentrale Herausforderung weniger in der Verfügbarkeit der Technologie als in deren Integration in klinische Prozesse. Die Zusammenarbeit solle daher technische Umsetzungskompetenz mit Organisationsberatung verbinden.

Neben konkreten Projekten in einzelnen Einrichtungen planen Fraunhofer IPA und ZEQ den Aufbau eines Innovationsnetzwerks für Robotik im Gesundheitswesen. Über Konsortialprojekte, Webinare und gemeinsame Leuchtturmprojekte sollen Erfahrungen zwischen Kliniken, Forschung und Industrie ausgetauscht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert