Digitales Entlassmanagement: Krankenkassen und Kliniken fordern verbindliche Standards
BKK-Verbund und Asklepios Kliniken treiben sektorenübergreifende Digitalisierung voran
Vertreter der Betriebskrankenkassen und Krankenhäuser haben konkrete Vorschläge für ein modernes, digitales Entlassmanagement vorgelegt. Wie der BKK Dachverband gemeinsam mit einzelnen Kassen sowie Klinikpartnern am 26. März 2026 mitteilte, sollen bestehende Medienbrüche und ineffiziente Kommunikationsprozesse künftig überwunden werden. Ziel ist eine durchgängig digitale, standardisierte und patientenzentrierte Steuerung der Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Versorgung.
Nach Einschätzung der beteiligten Akteure stellen papierbasierte Prozesse, Faxkommunikation und fragmentierte Informationswege derzeit ein zentrales Problem im Entlassmanagement dar. Diese führten zu Verzögerungen, Informationsverlusten und letztlich zu Nachteilen für Patientinnen und Patienten. Vor dem Hintergrund steigender Versorgungsbedarfe, zunehmender Pflegebedürftigkeit und anhaltendem Fachkräftemangel sehen die Initiatoren dringenden Handlungsbedarf.
Vorständin Anne-Kathrin Klemm betont, dass ein modernes Gesundheitswesen verlässliche digitale Prozesse insbesondere an sensiblen Schnittstellen benötige. Entscheidend sei eine verbindliche Zusammenarbeit aller Beteiligten sowie eine strukturierte Nutzung von Gesundheitsdaten, um Versorgungsqualität und Effizienz gleichermaßen zu verbessern.
Kern der Vorschläge ist die stärkere Verzahnung zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen. Bereits bei der Aufnahme in die Klinik soll der Unterstützungsbedarf der Patientinnen und Patienten frühzeitig identifiziert und digital gemeldet werden. Zudem sollen transparente Kontaktstrukturen geschaffen und relevante Informationen standardisiert bereitgestellt werden.
Eine zentrale Rolle kommt dabei der elektronische Patientenakte (ePA) zu. Sie soll als verbindlicher Informationshub dienen, über den alle relevanten Daten sektorenübergreifend zugänglich sind. Vorgeschlagen wird unter anderem eine Opt-out-Regelung für die Nutzung der ePA im Entlassmanagement sowie eine automatische Befüllung mit behandlungsrelevanten Informationen. Dies soll sowohl die Transparenz erhöhen als auch den administrativen Aufwand für Leistungserbringer reduzieren.
Für das Krankenhausmanagement ergeben sich daraus konkrete Implikationen: Die Digitalisierung des Entlassmanagements wird zu einem entscheidenden Faktor für Prozessqualität, Erlössicherung und Patientenzufriedenheit. Insbesondere im Kontext der Krankenhausreform und der zunehmenden Ambulantisierung gewinnt eine reibungslose Überleitung in nachgelagerte Versorgungsstrukturen an Bedeutung.
Gleichzeitig erfordert die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen Investitionen in IT-Infrastruktur, Interoperabilität und Prozessanpassungen. Krankenhäuser stehen vor der Aufgabe, bestehende Abläufe zu standardisieren und enger mit externen Partnern zu verzahnen. Langfristig könnten digitale Lösungen jedoch dazu beitragen, Liegezeiten zu verkürzen, Wiedereinweisungen zu reduzieren und Ressourcen effizienter einzusetzen.
Die Initiative unterstreicht die wachsende Bedeutung sektorenübergreifender Digitalisierung als zentralen Baustein für eine stabile und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung.




