ver.di-Krankenhaustagung kritisiert geplante Budgetkürzungen und Überlastung der Pflege
Gewerkschaft warnt vor „kaltem Strukturwandel“ und zunehmender Verlagerung patientenferner Tätigkeiten
Auf der diesjährigen ver.di-Krankenhaustagung diskutierten rund 250 Interessenvertreter*innen aus Krankenhäusern über die Zukunft der stationären Versorgung – parallel zur politischen Debatte über geplante Einsparungen. Während der Bundesrat am 21. November 2025 die vorgesehenen Kürzungen der Krankenhausfinanzierung um 1,8 Milliarden Euro ablehnte, standen am Berliner Alexanderplatz die realen Auswirkungen der Unterfinanzierung im Mittelpunkt: Arbeitsbedingungen, Personalabbau und eine wachsende Belastung in der Pflege.
Länder warnen vor Verschärfung des Strukturwandels
Tina Rudolph, Staatssekretärin im Thüringer Gesundheitsministerium, kritisierte die geplante Budgetkürzung scharf. Angesichts der Krankenhausreform sei eine »verlässliche finanzielle Grundlage« notwendig. Es sei, so Rudolph, »ein sehr, sehr schlechtes Signal«, die Budgets zu reduzieren, während Kliniken vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen stünden. Die Einschnitte würden den »kalten Strukturwandel« weiter verschärfen und ungeplante Schließungen begünstigen.
Gleichzeitig hob sie Erfolge der vergangenen Jahre hervor. So sei es positiv, dass die pflegerischen Personalkosten über das Pflegebudget vollständig refinanziert werden: »Darauf kann ver.di durchaus stolz sein, dass sie da einiges erreicht hat.« Auch die Einführung der PPR 2.0 bezeichnete Rudolph als »ein richtig großer Erfolg«.
Mehr pflegefremde Tätigkeiten – steigende Belastung
Große Sorge bereitet den Teilnehmenden jedoch die Verlagerung patientenferner Tätigkeiten auf die Pflege. Rudolph betonte: »Wenn Pflegefachkräfte Betten durch die Gegend schieben müssen, wird ihre Fachkompetenz missbraucht. Dafür muss es eine Lösung geben.« Sie sprach sich für eine Personalbemessung und volle Refinanzierung aller Berufsgruppen aus.
Vertreter*innen aus verschiedenen Kliniken bestätigten diese Entwicklung. Ein Mitarbeitervertreter eines hessischen Agaplesion-Krankenhauses berichtete: »Bei uns werden im Service ganze Berufsgruppen abgewickelt – inklusive betriebsbedingter Kündigungen.« Das führe zu einer „Entsolidarisierung der Berufsgruppen“. Eine Kollegin aus Thüringen verwies darauf, dass die ohnehin hohe Belastung der Pflegekräfte dadurch weiter steige.
Kontroverse Debatte: Hat sich die Situation verbessert?
In einer Podiumsdiskussion ging es um die Frage, ob die Belastung der Pflege inzwischen geringer geworden sei. Christina Trewendt vom GKV-Spitzenverband verwies auf 100.000 zusätzliche Pflegekräfte seit 2007 und stellte die Frage, ob damit nicht »Effizienzprozesse erreicht« wurden. »Kostentechnisch kann es so nicht weitergehen«, sagte sie.
Dem widersprach Klara Ronellenfitsch vom Uniklinikum Mannheim deutlich. Laut der Gesundheits- und Krankenpflegerin reiche der Personalaufwuchs nicht aus, um die kommenden Rentenabgänge zu kompensieren: »Wir haben immer noch viel zu wenig Zeit für die Patientinnen und Patienten.« Andere Beiträge verwiesen auf hohe Krankenstände, eine ausgeprägte Teilzeitquote und weiterhin tägliche Gefährdungsanzeigen.
Forderung nach verbindlicher PPR 2.0
Die Diskussion mündete in der deutlichen Forderung nach einer verpflichtenden Umsetzung der PPR 2.0. Ingo Böing vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe forderte »Sanktionen, wenn die Personalvorgaben nicht eingehalten werden«. Statt finanzieller Strafen seien strukturelle Maßnahmen sinnvoll – etwa Stationsschließungen, Anreizmodelle oder die Verpflichtung zu Personalpools und Ausfallkonzepten.
Appell
Zum Abschluss rief Klaus Bölling, Vorsitzender des Asklepios-Konzernbetriebsrats, die Beschäftigten zur Geschlossenheit auf: »Wir dürfen uns nicht in die Defensive drängen lassen, sondern müssen selbstbewusst für unsere Berufe eintreten.« Der Erfolg zukünftiger Verbesserungen hänge maßgeblich davon ab, »dass wir uns organisieren und der Gewerkschaft eine starke Stimme geben«.






