Nicht vergütete Leistungen in Baden-Württemberg: Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verlieren Milliarden
MEDI warnt vor dem Kollaps der ambulanten Versorgung – Millionenbeträge bleiben in Praxen unbezahlt
Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Baden-Württemberg haben zwischen 2015 und 2024 Leistungen im Umfang von rund 1,78 Milliarden Euro erbracht, die aufgrund der Budgetierung nicht vergütet wurden. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) auf Antrag des Ärzteverbands MEDI Baden-Württemberg hervor. „Diese beeindruckende Summe zeigt, welchen großen Beitrag niedergelassene Ärztinnen und Ärzte täglich leisten, um die ambulante Versorgung aufrechtzuerhalten und Patientinnen und Patienten zu versorgen – und das zum Teil ohne monetäre Honorierung“, kritisiert Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg.
Hochgerechnet auf die aktuell rund 4.200 Praxen im Land bedeutet dies, dass jede Praxis im Schnitt rund 424.000 Euro in den vergangenen zehn Jahren als Honorar vorenthalten wurde – allein 2024 seien es etwa 70.000 Euro gewesen. „Das ist ein Grund, warum es immer schwieriger wird, zeitnahe Termine in Haus- und Facharztpraxen zu erhalten. Immer mehr jüngere Kolleginnen und Kollegen ziehen daraus ihre Konsequenzen – sie geben ihren Kassensitz ab oder lassen sich erst gar nicht mit einer eigenen Praxis nieder“, ergänzt Dr. Michael Eckstein, stellvertretender MEDI-Vorsitzender.
MEDI übt scharfe Kritik an den aktuellen Sparplänen des GKV-Spitzenverbands. Geplant sei, die erst kürzlich eingeführten Entbudgetierungen bei Hausärzten sowie Kinder- und Jugendärzten und die Zuschläge für Terminvermittlungen wieder zu streichen. „Seit Jahrzehnten erbringen wir Leistungen teilweise gratis – trotz explodierender Kosten. Wenn weiter bei der ambulanten Versorgung gespart wird, trifft das nicht nur die Praxen, sondern die gesamte Gesellschaft“, warnt Smetak.
Hintergrund:
Die Budgetierung legt fest, wie viel Geld die Krankenkassen jährlich insgesamt für die Behandlung aller GKV-Versicherten ausgeben – unabhängig von der tatsächlichen Arbeitsleistung der Praxen. Die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) wird dabei mit befreiender Wirkung an die Kassenärztlichen Vereinigungen ausgezahlt. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte müssen somit mit diesem festen Honorar auskommen, auch wenn sie deutlich mehr Leistungen erbringen. MEDI fordert deshalb eine bundesweite Entbudgetierung aller Fachgruppen sowie eine effizientere Patientensteuerung, um die Versorgung zu sichern und das Gesundheitswesen finanziell zu entlasten.






