BVOU startet Einkaufsoffensive für Praxen und MVZ

Neue Kooperation mit AGAPLESION soll Sachkosten unter Hybrid-DRG-Bedingungen senken

Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) hat gemeinsam mit der AGAPLESION Logistikzentrum gGmbH eine neue Partnerschaft gestartet. Ziel der Kooperation ist es, niedergelassenen Orthopädinnen und Orthopäden, Unfallchirurginnen und Unfallchirurgen sowie Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Zugang zu vergünstigten Konditionen für Implantate, Praxisbedarf und Verbrauchsmaterialien zu ermöglichen. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich insbesondere durch die Einführung der Hybrid-DRG-Vergütung für ambulante Operationen ergeben.

Nach Angaben des BVOU wurde das Modell bereits im Mai 2026 in einer Pilotphase mit 20 ausgewählten Praxen getestet. Dabei standen speziell die Optimierung der digitalen Prozesse sowie die Vereinfachung von Registrierung, Vertragsabschluss und Bestellwesen im Mittelpunkt. Nach Abschluss der Testphase steht das Angebot nun allen BVOU-Mitgliedern sowie weiteren interessierten Ärztinnen und Ärzten offen.

Die Kooperation soll vor allem dazu beitragen, die Sachkosten im ambulanten Operationsbereich zu reduzieren. Mit der Einführung der Hybrid-DRGs werden bestimmte ambulante Eingriffe pauschal vergütet. Für Leistungserbringer gewinnt deshalb die Kontrolle der Materialkosten zunehmend an Bedeutung, da diese unmittelbar Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Behandlung haben.

Über die neue Einkaufsplattform erhalten teilnehmende Praxen und MVZ Zugang zu einem Sortiment von mehr als 3.000 Produkten. Dazu zählen Implantate, Verbrauchsmaterialien sowie klassischer Praxis- und Sprechstundenbedarf. Die Rahmenbedingungen wurden nach Angaben des Verbandes auf Basis einer umfassenden Marktanalyse entwickelt und mit verschiedenen Herstellern verhandelt.

Ein zentrales Merkmal des Modells ist die individuelle Gestaltung der Warenkörbe. Für jede teilnehmende Einrichtung wird im Rahmen des Onboardings ein spezifisches Produktsortiment definiert, das sich an den jeweiligen Versorgungsstrukturen orientiert. Die Bestellung erfolgt über einen personalisierten Webshop, der bei Bedarf jederzeit angepasst werden kann.

Für das Management von Praxen und MVZ könnte die Kooperation insbesondere vor dem Hintergrund steigender Kosten und wachsender wirtschaftlicher Anforderungen an Bedeutung gewinnen. Während Krankenhäuser im Zuge der Krankenhausreform und der Ambulantisierung verstärkt Leistungen in den ambulanten Bereich verlagern, stehen niedergelassene Leistungserbringer unter zunehmendem Druck, Prozesse effizient zu gestalten und Kostenstrukturen zu optimieren.

Die Kooperation verdeutlicht die wachsende Bedeutung gemeinsamer Beschaffungsmodelle im Gesundheitswesen. Gerade in Zeiten steigender Sachkosten und pauschalierter Vergütungssysteme gewinnen Einkaufsgemeinschaften und strategische Partnerschaften zunehmend an Relevanz, um die wirtschaftliche Stabilität ambulanter Versorgungsstrukturen zu sichern.

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