BVKJ kritisiert BMG-Reformen: „Mutlos und konzeptlos“
Kinderärzte warnen vor Praxissterben durch Sparpläne – Forderung nach Patientensteuerung und Prävention
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) wirft dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine fundamentale Orientierungslosigkeit bei den aktuellen Reformvorhaben vor. Nach Ansicht des Verbandes versäumt es die Bundesregierung sowohl bei der GKV-Finanzreform als auch bei der Notfallreform, wirksame Steuerungselemente für die Patientenseite einzuführen. BVKJ-Präsident Dr. Michael Hubmann kritisierte, dass das Ministerium einer unbegrenzten Anspruchshaltung Vorschub leiste, während gleichzeitig die finanziellen Mittel für die Praxen gekürzt werden sollen.
Wie der BVKJ berichtet, droht durch die geplanten Maßnahmen eine Verschärfung des Ärztemangels. Dr. Hubmann warnte davor, dass viele niedergelassene Mediziner kurz vor der Pensionierung „das Handtuch werfen“ könnten, wenn die Belastung durch bürokratische Doppelstrukturen – wie etwa eine 24/7-Videosprechstunde parallel zum Praxisbetrieb – weiter steige. Der Verband fordert stattdessen ökonomische Anreize für einen verantwortungsbewussten Umgang mit ärztlichen Ressourcen sowie marktwirtschaftliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, um die Folgekosten für das Gesundheitssystem durch Adipositas und Multimorbidität langfristig zu begrenzen.
Besonders scharf kritisierte der BVKJ die geplante Budgetierung von bisher extrabudgetären Leistungen. Aus kinder- und jugendärztlicher Sicht sei es unverantwortlich, Präventionsmaßnahmen wie Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen im Grundschulalter finanziell zu gefährden. Der Verband wies darauf hin, dass der ambulante Sektor 97 Prozent aller Behandlungsfälle abdeckt, dabei aber nur 16 Prozent der Kosten verursacht. Eine pauschale Ausgabenbegrenzung, die den ambulanten Bereich überproportional belastet, sei daher der falsche Weg.
Zudem forderte der BVKJ den Bund auf, die vollständige finanzielle Verantwortung für versicherungsfremde Leistungen zu übernehmen. Insbesondere die angemessene Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungsempfänger dürfe nicht länger einseitig auf die Beitragszahler abgewälzt werden. Ohne eine echte Steuerung der Patientenströme und eine Stärkung der Prävention bleibe die Reform ein kurzfristiges Spardiktat ohne medizinische Vision.





