Bayerische Kliniken unter Druck: Aktionsgruppe warnt vor Kliniksterben
Scharfe Kritik an Krankenhausreform – Forderung nach kommunaler Kliniklandschaft
Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ schlägt Alarm: Schließungen, Insolvenzen und drohende Teilschließungen prägten bereits das Jahr 2025 – mit dramatischen Folgen für die wohnortnahe Versorgung. In einer Pressemitteilung vom 19. August 2025 fordert die Initiative einen radikalen Kurswechsel in der Krankenhauspolitik.
Besorgniserregende Bilanz für 2025
Nach Angaben der Aktionsgruppe mussten in diesem Jahr die Krankenhäuser in Würzburg und Bad Füssing komplett schließen. Hinzu kamen Teilschließungen in Altdorf, Eichstätt und Mainburg sowie Schließungsbeschlüsse in Ebern, Grafenau, Auerbach, Penzberg und Werneck. Zudem seien die Kliniken in Ingolstadt und Schwabach in die Insolvenz geraten.
Die Initiative macht dafür die geltenden Abrechnungsregeln im DRG-System sowie „limitierte Vergütungen für Krankenhäuser und einen für lebensrettende Gesundheitseinrichtungen ungeeigneten Wettbewerb“ verantwortlich.
Kritik an der geplanten Krankenhausreform
Die Gruppe wendet sich in ihrer Stellungnahme ausdrücklich gegen die Linie von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. „Insolvenzen und Klinikschließungen sind unmittelbare Folge von limitierter Krankenhausvergütung, marktwirtschaftlichem Verdrängungswettbewerb und neuen Strukturauflagen für Leistungsgruppen“, heißt es in der Mitteilung.
Der Aktionsgruppe zufolge sei es unvertretbar, dass wirtschaftliche Kriterien über die Existenz von Krankenhäusern entscheiden. „Es kann nicht sein, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen darüber entscheiden, ob Einwohnern in Deutschland ein wohnortnahes Krankenhaus mindestens mit einer Basisnotfallversorgung binnen 30 Fahrzeitminuten zur Verfügung steht“, so die Kritik.
Widerspruch zu ökonomischen Konzepten
Besonders deutlich wird die Initiative gegenüber dem Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Boris Augurzky, einem der Mitgestalter der Reform. Dessen Fokus auf Wettbewerb, Effizienz und begrenzte Finanzierungsmittel widerspreche den realen Anforderungen der Krankenhausversorgung.
„Lebensrettende Krankenhäuser haben wie lebensrettende Feuerwehren Anspruch auf vollständige Erstattung ihrer Kosten und gehören in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft“, heißt es in der Erklärung.
Alternative Konzepte vorgeschlagen
Die Aktionsgruppe verweist auf ein eigenes Konzept „Bedarfsgerechte kommunale Kliniklandschaft“, das bereits dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt worden sei. Kernelemente sind:
- Deckung der Selbstkosten statt Budgetbegrenzung
- Umfassende Finanzierung durch Bund und Länder
- Bürokratieabbau zur Freisetzung von mehr Arbeitszeit am Patientenbett
Die Forderung an Bundesministerin Warken ist klar formuliert: „Machen Sie einen Neuanfang mit einer völlig neuen Krankenhausreform!




