Ambulante Versorgung unter Druck: Private-Equity-Gesellschaften dominieren zunehmend
Ärzte- und Sozialverbände warnen vor Gefährdung von Patientensicherheit und Therapiefreiheit – auch MFA betroffen
Was lange befürchtet wurde, ist nun durch aktuelle Analysen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) bestätigt: Hunderte Arztpraxen in Bayern wurden in den vergangenen Jahren von Private-Equity-Gesellschaften (PEG) aufgekauft und in Kettenstrukturen überführt. Ziel sei dabei vor allem die Erwirtschaftung hoher Renditen von bis zu 20 Prozent – oftmals zulasten einer patientenzentrierten Versorgung.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung schlagen die KVB, die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK), der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband (BHÄV), der Dachverband Bayerischer Fachärztinnen und Fachärzte (DBFF), der Sozialverband VdK Bayern sowie der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) Alarm: „Die ambulante Gesundheitsversorgung und das Wohl der Patientinnen und Patienten wird so zum Spielball von internationalen Private-Equity-Gesellschaften“, heißt es in der Erklärung.
Besonders attraktiv für Investoren sind Fachgruppen mit hohem Geräte- und Technikeinsatz. In der Radiologie entfielen seit 2021 rund 90 Prozent aller Praxisübernahmen auf PEG. Auch in der Augenheilkunde zeigt sich eine beispiellose Marktkonzentration: Über 500 Praxen gehören inzwischen internationalen Investoren – dreimal so viele wie noch vor drei Jahren. Auch hausärztliche MVZ geraten zunehmend in den Fokus. Analysen zeigen, dass in investorenbetriebenen Einrichtungen Hausbesuche und präventive Untersuchungen deutlich seltener durchgeführt werden. Chronisch Kranke berichten von Versorgungslücken, Patientinnen und Patienten suchen häufiger zusätzliche Hausärzte auf.
PEG-MVZ konzentrieren sich stark auf urbane Ballungsräume: Fast 90 Prozent dieser Einrichtungen finden sich in Großstädten oder mittleren Zentren. In ländlichen Regionen, wo Versorgungsengpässe am größten sind, liegt der Anteil dagegen bei nur 15 Prozent.
Laut Erfahrungsberichten von Ärztinnen und Ärzten, die in PEG-MVZ tätig waren, geraten medizinische Entscheidungen teils unter ökonomischen Druck – bis hin zu unnötigen Eingriffen. Auch Medizinische Fachangestellte (MFA) spüren die Veränderungen, wie Patricia Ley, Vizepräsidentin des vmf, betont: „MFA erleben in investorengetragenen MVZ eine stärkere Orientierung an betriebswirtschaftlichen Vorgaben. Dies geht nicht selten mit wachsender Arbeitsverdichtung, geringerem Handlungsspielraum und einem spürbaren Leistungsdruck einher.“
Die Verbände fordern daher weitreichende politische Maßnahmen:
- Schutz der Therapiefreiheit und Stärkung ärztlicher Unabhängigkeit
- Transparenz- und Kennzeichnungspflicht für investorengetragene MVZ
- Verhinderung von Monopolstrukturen und Sicherung einer pluralen Versorgungslandschaft
- Mehrheit der Anteile und Stimmrechte in MVZ bei Vertragsärztinnen und -ärzten
- Eignungsprüfungen bei Zulassungen, um ordnungsgemäße Versorgung sicherzustellen
- Verbot von Private-Equity-Übernahmen im vertragsärztlichen Bereich
Die Politik müsse hier schnell handeln, so die gemeinsame Botschaft, um eine am Patienten orientierte, flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.




