Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein planen gemeinsames Telemedizin-Netz

TENNO soll alle Krankenhäuser beider Länder verbinden – Förderantrag für Transformationsfonds im vierten Quartal 2026 geplant

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen ihre Krankenhausstandorte in einem gemeinsamen Telemedizin-Netz verbinden. Das „Telemedizin-Netz Nord-Ost“ (TENNO) soll Telekonsile und Televisiten über Länder- und Klinikgrenzen hinweg ermöglichen und perspektivisch auch Rettungsdienst und ambulante Versorgung einbeziehen. Für die Finanzierung wollen beide Länder Mittel aus dem Krankenhaustransformationsfonds beantragen.

Gesundheitsministerin Stefanie Drese aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken haben dazu gemeinsam mit den Krankenhausgesellschaften beider Länder, der Universitätsmedizin Rostock und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein einen Letter of Intent unterzeichnet.

Anders als bei einzelnen telemedizinischen Modellprojekten soll TENNO von Beginn an die gesamte Krankenhauslandschaft umfassen. Nach den Planungen sollen alle Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verbindlich einbezogen werden – unabhängig von Trägerschaft, Versorgungsstufe oder Standort.

Telekonsile und Televisiten als erste Anwendungen

Im ersten Schritt sollen die stationären Leistungserbringer digital miteinander vernetzt werden. Vorgesehen sind insbesondere Telekonsile und Televisiten, über die Krankenhäuser bei Bedarf medizinische Expertise anderer Standorte hinzuziehen können.

Erste konkrete Anwendungsfelder sehen die Länder in der Kinder- und Jugendmedizin sowie in der Not- und Unfallversorgung. Bereits bestehende telemedizinische Angebote sollen in das Netzwerk integriert und weiterentwickelt werden. Neue parallele Einzelsysteme sollen dagegen vermieden werden.

Die Universitätsmedizin Rostock und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein übernehmen eine koordinierende und operative Rolle beim Aufbau. In Mecklenburg-Vorpommern sollen darüber hinaus die Universitätsmedizin Greifswald sowie die Maximalversorger in Neubrandenburg und Schwerin eingebunden werden.

Telemedizin soll neue Klinikstrukturen unterstützen

Das Vorhaben steht zugleich im Zusammenhang mit der Krankenhausreform und der stärkeren Konzentration medizinischer Leistungen auf bestimmte Standorte. Telemedizin soll dazu beitragen, spezialisierte Expertise auch dort verfügbar zu machen, wo bestimmte Leistungen künftig nicht mehr unmittelbar vorgehalten werden.

„Wir können Kompetenzen digital miteinander verbinden und damit Qualität sichern, auch wenn nicht jede medizinische Leistung an jedem Ort vorgehalten werden kann“, erklärt Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken.

Damit soll TENNO nicht als einseitige Verbindung zwischen Universitätsmedizin und kleineren Krankenhäusern funktionieren. Auch spezialisierte Kompetenzen anderer Versorgungsstufen sollen standortübergreifend genutzt werden können.

Antrag für Transformationsfonds noch 2026 geplant

Finanziert werden soll der Aufbau über den Krankenhaustransformationsfonds. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bereiten gemeinsam mit den Universitätskliniken und Krankenhausgesellschaften einen Antrag für ein länderübergreifendes Projekt vor.

Die Antragstellung beim Bundesamt für Soziale Sicherung ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Eine Förderentscheidung liegt damit bislang noch nicht vor. Wird das Projekt in die Förderung aufgenommen, soll die Umsetzung ab 2027 beginnen.

Bis dahin sollen technische und organisatorische Voraussetzungen konkretisiert, erste Anwendungsfälle festgelegt und die Governance des gemeinsamen Netzwerks entwickelt werden. Perspektivisch ist vorgesehen, neben den Krankenhäusern auch den ambulanten Bereich, den Rettungsdienst und weitere Leistungserbringer einzubinden.