Helios: Spezialisierte Aufwachräume entlasten Intensivstationen nach Herzoperationen
Herzzentrum Leipzig analysiert 15 Jahre ERACS-Konzept – mehr als 90 Prozent der Patient:innen benötigten keine Intensivstation
Eine Langzeitstudie des Herzzentrums Leipzig zeigt, dass spezialisierte Aufwachräume nach herzchirurgischen Eingriffen die intensivmedizinischen Kapazitäten deutlich entlasten können – ohne Einschränkungen bei der Patientensicherheit. Grundlage der Untersuchung ist das seit 2005 etablierte „Enhanced Recovery After Cardiac Surgery“-Konzept (ERACS), das auf eine strukturierte postoperative Versorgung in einer spezialisierten „Post-Anesthesia Care Unit“ (PACU) setzt.
Wie Helios mitteilt, wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Auswertung Daten von insgesamt 20.773 Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von 15 Jahren analysiert. Das Ergebnis: Bei mehr als 90 Prozent der nach dem ERACS-Konzept behandelten Fälle konnte eine Verlegung auf die Intensivstation vermieden werden.
Im Zentrum des Konzepts steht ein standardisierter und evidenzbasierter Behandlungspfad. Herzchirurgische Patientinnen und Patienten werden unmittelbar nach der Operation in einen spezialisierten Aufwachraum verlegt, der intensivmedizinisch ausgestattet und mit anästhesiologischem Fachpersonal besetzt ist. Dort erfolgen engmaschige Überwachung, frühzeitige Extubation sowie die Stabilisierung über mehrere Stunden. Anschließend werden die Betroffenen auf eine Intermediate-Care-Station (IMC) und später auf die Normalstation übernommen.
Voraussetzung für die Aufnahme in den PACU-Pfad ist eine strukturierte Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten direkt nach dem Eingriff. „Konkret bedeutet dies, dass die Patient:innen postoperativ eine normale Körpertemperatur und einen stabilen Blutkreislauf haben müssen. Außerdem sollten sie keine relevanten Blutungen aufweisen“, erläutert Prof. Dr. med. habil. Jörg Ender, Head of Medical Management im Executive Leadership Team von Helios Deutschland.
Nach Angaben des Herzzentrums wurde die Infrastruktur des Modells über die Jahre kontinuierlich erweitert. Während 2005 zunächst drei PACU-Betten zur Verfügung standen, erfolgte bereits 2010 ein Ausbau auf acht Betten sowie eine Ausweitung der Betriebszeiten. Parallel dazu stieg der Anteil der Patientinnen und Patienten, die über die PACU versorgt werden konnten, von 19 Prozent im Jahr 2006 auf 60 Prozent im Jahr 2020 – trotz zunehmender Komplexität der Eingriffe und steigender Risikoprofile.
Für Krankenhausmanagement und Intensivmedizin gewinnt das Konzept insbesondere vor dem Hintergrund angespannter Intensivkapazitäten und des Fachkräftemangels an Bedeutung. Durch die gezielte Steuerung postoperativer Prozesse könnten intensivmedizinische Ressourcen stärker auf tatsächlich intensivpflichtige Fälle konzentriert werden.
Auch Helios bewertet das Konzept als strategisch relevant. „Für Helios stehen Sicherheit und Qualität der Behandlung stets im Fokus. Patient:innen sollen zügig, aber sicher durch die perioperative Phase geführt werden“, erklärt Prof. Dr. med. Olaf Kannt. Das Leipziger ERACS-Modell übertrage das Prinzip strukturierter Recovery-Konzepte erfolgreich auf die Herzmedizin.
Die wissenschaftliche Publikation zum Projekt wurde im Fachjournal veröffentlicht und beschreibt das Modell als sicher, skalierbar und ressourcenschonend.





