Charité und BIH gründen ARC Innovation Center für schnellere Translation
Neues Zentrum soll Innovationen aus dem Klinikalltag zügig in die Patientenversorgung bringen
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) haben gemeinsam ein ARC Innovation Center gegründet. ARC steht für „Accelerate, Redesign, Collaborate“. Ziel ist es, medizinische Innovationen systematisch zu beschleunigen und den Weg von der Idee bis zur Anwendung im klinischen Alltag deutlich zu verkürzen.
Das neue Zentrum bündelt medizinische Expertise, wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung unter einem organisatorischen Dach. Im Fokus stehen konkrete Fragestellungen aus dem Versorgungsalltag, die interdisziplinär bearbeitet werden. So sollen Lösungen entstehen, die medizinisch sinnvoll, technisch umsetzbar und rasch in die Patientenversorgung integrierbar sind.
Antwort auf demografischen Wandel und Systemdruck
Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, verweist auf die Herausforderungen des demografischen Wandels. Medizinische Innovationen müssten schneller in die Praxis gelangen, um steigenden Versorgungsbedarf, Fachkräftemangel und Kostendruck zu bewältigen. Das ARC Innovation Center solle Entwicklungszyklen verkürzen und Innovationen gezielt an realen Bedarfen ausrichten.
Auch Prof. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité, betont die Bedeutung risiko-adaptierter Entwicklung neuer Präventions-, Diagnose- und Therapieansätze. Das ARC-Modell werde an die regionalen Rahmenbedingungen angepasst und in enger Zusammenarbeit mit Partnern des Innovations-Ökosystems weiterentwickelt.
Mitarbeitende als Treiber der Transformation
Das Konzept geht auf ein Modell zurück, das 2019 am Sheba Medical Center in Israel entwickelt wurde und inzwischen international Anwendung findet. Ausgangspunkt sind konkrete Herausforderungen aus dem Klinikalltag, die von Mitarbeitenden aller Berufsgruppen eingebracht werden.
Das ARC Innovation Center sammelt und priorisiert diese Bedarfe, entwickelt erste Lösungsansätze und testet sie unmittelbar in der Versorgung. Gleichzeitig verbessert es die Kooperation mit externen Partnern, Aufsichtsbehörden und Investoren. Der Zugang zu Daten, Testumgebungen und klinischer Expertise wird strukturiert bereitgestellt.
Prof. Surjo Soekadar, Chief Innovation Officer der Charité, verantwortet den Aufbau des Berliner ARC Centers gemeinsam mit Geschäftsführer Avner Shahal und einem interdisziplinären Kernteam. Mitarbeitende würden als zentrale Akteure der Transformation verstanden und erhielten durch das Zentrum eine strukturierte Plattform für Innovationsprojekte.
Open Innovation Hubs und Matching-Funds-Modell
Geplant ist die Einrichtung thematischer Open Innovation Hubs, in denen Kliniken, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Industriepartner gemeinsam an praxisnahen Lösungen arbeiten. Ein Schwerpunkt soll im Bereich NeuroTech liegen.
Über den Förderfonds Wissenschaft in Berlin und die Einstein Stiftung Berlin können Förderer und Investoren Projekte unterstützen. Im Rahmen eines Matching-Funds-Modells ergänzt das Land Berlin private Investitionen mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln: Für jeden investierten Euro stellt das Land 50 Prozent Fördermittel bereit.
Die ersten Aktivitäten starten bereits in der ersten Jahreshälfte 2026. Vorgesehen sind unter anderem Ideenwettbewerbe zur systematischen Erfassung von Herausforderungen aus Klinik, Forschung und Verwaltung sowie ein Innovator-Programm zur strukturierten Begleitung unternehmerischer Ideen.
Teil eines internationalen Netzwerks
Die ARC-Idee hat sich zu einem internationalen Netzwerk entwickelt. Neben Berlin gehören unter anderem UCL Partners in London, das Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, SingHealth in Singapur und das Albert Einstein Hospital in São Paulo zu den Partnern.
Mit der Gründung des ARC Innovation Centers positionieren sich Charité und BIH als zentrale Akteure für eine beschleunigte Translation medizinischer Innovationen – mit dem Ziel, Versorgung, Forschung und wirtschaftliche Entwicklung enger miteinander zu verzahnen.




