Allianz fordert Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesundheitswesen

BKK Dachverband, Bundesärztekammer, BPI und CPHP stellen gemeinsames Eckpunktepapier vor

Führende Akteure des deutschen Gesundheitswesens haben ein gemeinsames Eckpunktepapier zur Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen vorgelegt und fordern eine verbindliche nationale Strategie. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung, dass ökologische und ressourcenschonende Aspekte künftig nicht mehr als Zusatzthema, sondern als Grundvoraussetzung für Versorgungssicherheit, Qualität und Finanzierbarkeit zu betrachten sind.

Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverband, betont in diesem Zusammenhang, Nachhaltigkeit sei inzwischen ein zentraler Hebel für die langfristige Stabilität des Gesundheitssystems. Kurzfristige Kostendämpfung allein reiche nicht aus, um strukturelle Probleme zu lösen. Vielmehr müsse die Organisation der Versorgung insgesamt ressourcenschonender gestaltet werden, ohne dabei die Versorgungsqualität zu reduzieren.

Auch aus ärztlicher Sicht wird die Bedeutung des Themas unterstrichen. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, verweist darauf, dass nachhaltige Medizin eng mit Versorgungsqualität verbunden sei. Eine stärkere Fokussierung auf Prävention könne dazu beitragen, Behandlungen zu vermeiden und damit Ressourcen im System zu schonen.

Nachhaltigkeit im deutschen Gesundheitssystem – Eckpunkte für eine Strategie (PDF, 930 kB)
Das Eckpunktepapier zur Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen richtet sich an politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Bund und Ländern sowie an zentrale Akteure des Gesundheitswesens.

Das Eckpunktepapier benennt Handlungsfelder in insgesamt neun Kernbereichen. Dazu zählen unter anderem Governance-Strukturen, Prävention, Versorgungsplanung sowie die Weiterentwicklung ambulanter, stationärer und pflegerischer Versorgung. Darüber hinaus werden auch Arzneimittelversorgung, Medizinprodukte, Abfallreduktion, Transportprozesse und Digitalisierung als zentrale Ansatzpunkte genannt. Ziel sei es, Nachhaltigkeit systematisch in allen Bereichen des Gesundheitswesens zu verankern.

Aus Sicht der Initiatoren soll das Bundesministerium für Gesundheit die Federführung übernehmen und die vorgeschlagenen Eckpunkte in eine verbindliche Gesamtstrategie überführen. Dabei betonen die Beteiligten ausdrücklich, dass es nicht um Leistungskürzungen gehe, sondern um eine effizientere, bedarfsgerechte und präventiv ausgerichtete Versorgung.

Auch die pharmazeutische Industrie signalisiert Unterstützung. Dr. Kai Joachimsen vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie hebt hervor, dass verlässliche Rahmenbedingungen notwendig seien, um Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Besonders im Bereich Forschung und Produktion seien klare Standards und Datenstrukturen erforderlich.

Ergänzend verweist das Centre for Planetary Health Policy auf internationale Beispiele aus Europa. Länder wie Dänemark, die Niederlande oder Österreich hätten gezeigt, dass verbindliche Zielsysteme im Gesundheitswesen praktikabel seien und zur Umsetzung nachhaltiger Strategien beitragen könnten.

Das Eckpunktepapier versteht sich ausdrücklich nicht als konkreter Maßnahmenkatalog, sondern als strategischer Rahmen. Es soll den politischen Prozess anstoßen und Nachhaltigkeit als verbindliche Leitlinie für die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems etablieren.

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