Universität Bonn entwickelt KI-Avatar für empathische Dialoge im Gesundheitswesen
Forschungsprojekt „FeelForge“ erhält Prototypisierungsgrant für virtuelle Mensch-KI-Interaktion
Ein Forschungsteam der Universität Bonn und des Universitätsklinikum Bonn (UKB) entwickelt ein KI-gestütztes Dialogsystem, das menschliche Kommunikation möglichst realistisch simulieren soll. Das Projekt „FeelForge – Creating interactive environments for empathetic human-AI communication“ erhält dafür einen Prototypisierungsgrant des Transfer Centers enaCom.
Das System kombiniert große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) mit einem interaktiven Avatar, der nicht nur Sprache verarbeitet, sondern auch nonverbale Kommunikation wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Tonalität einbezieht. Ziel ist es, empathische und natürlich wirkende Mensch-KI-Interaktionen zu ermöglichen.
Projektleiter Dr. Tobiasz Kaduk beschreibt das System als virtuellen Interviewer, der strukturierte Dialoge mit emotional ausdrucksstarken Reaktionen verbindet. Dadurch sollen Gespräche verständlicher, angenehmer und aussagekräftiger gestaltet werden. Insbesondere im Gesundheitswesen sehen die Forschenden vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Denkbar seien etwa Erstgespräche in der Psychotherapie, automatisierte Fragebögen oder unterstützende Dialogsysteme im klinischen Alltag. Ziel sei es unter anderem, Personalengpässen entgegenzuwirken und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten zu verkürzen. Darüber hinaus könnten die KI-Avatare auch in Schulungsszenarien oder in der Videospielentwicklung eingesetzt werden. Gerade kleinere Entwicklerstudios könnten von realistisch animierten, emotional reagierenden Avataren profitieren, ohne eigene komplexe Systeme entwickeln zu müssen.
Das Projekt baut auf Erkenntnissen aus dem Verbundprojekt InVirtuo 4.0 auf, an dem neben Universität und Universitätsklinikum Bonn auch das Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie die Technische Universität Dortmund beteiligt waren. Im Rahmen der bisherigen Arbeiten wurden bereits virtuelle 3D-Umgebungen, Avatarsysteme und KI-gestützte Sprachinteraktionen entwickelt. Nun soll mit Unterstützung des Grants ein marktnaher Prototyp vorbereitet werden.
Zum interdisziplinären Forschungsteam gehören unter anderem Prof. Dr. Lucie Flek, Leiterin der Forschungsgruppe „Data Science & Language Technologies“, Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB, sowie Dr. Niclas Braun und Dr. Tatiana Goregliad Fjaellingsdal.




