Pflegefachpersonen als Schlüsselakteure für Gesundheitskompetenz und Prävention

Unverzichtbares Potenzial für eine bessere Primärversorgung

Gesundheitskompetenz wird zunehmend wichtiger, doch viele Menschen tun sich schwer, Gesundheitsinformationen richtig einzuordnen und entsprechend zu handeln. Hier kommt den Pflegefachpersonen eine zentrale Rolle zu: Bereits durch das Pflegeberufegesetz sind sie verpflichtet, zu informieren, zu beraten und anzuleiten. Diese Kompetenzen sollten insbesondere in der Prävention im Rahmen der Primärversorgung stärker genutzt werden, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten.

„Der demografische Wandel mit der Zunahme chronischer Krankheiten und steigender Pflegebedarfe zeigt, wie essenziell Prävention und eine hohe Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung sind“, betont Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Sie weist darauf hin, dass der Erwerb von Gesundheitskompetenz durch den komplexen Informationsdschungel erschwert werde: „Welche Informationen sind zuverlässig? Welche Quellen sind unabhängig? Welche Handlungsanweisungen sind korrekt?“ Pflegefachpersonen könnten hier als Wegweiser dienen und Pflegebedürftige sowie deren Angehörige gezielt unterstützen.

Auf dem 14. MVF-Fachkongress „Agenda 2030: Primärversorgung gestalten“ in Berlin hob Lux insbesondere die Rolle von Community Health Nurses (CHN) hervor. Projekte wie der Gesundheitskiosk in Hamburg zeigen, dass akademisch ausgebildete Pflegefachpersonen die Versorgung in benachteiligten Stadtteilen wie Billstedt und Horn verbessern können. Der niedrige Zugangsschwellen, individuelle Beratung und präventive Hausbesuche fördern die Gesundheitskompetenz und unterstützen die Menschen bei der Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung.

Vera Lux betont: „Wir Pflegefachpersonen stehen gut ausgebildet bereit und rufen dazu auf, unsere Ressourcen für mehr Gesundheitskompetenz im Rahmen einer besseren Primärversorgung einzusetzen.“ Dies werde auch durch die Neudefinition von Nurse und Nursing durch den ICN unterstrichen, die die Bedeutung professioneller Pflege im Gesundheitswesen hervorhebt.

Hintergrund:
Gesundheitskompetenz (Health Literacy) beschreibt die Fähigkeit von Menschen, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. Studien wie die dritte Auflage des Health Literacy Survey (HLS-GER 3) der Universität Bielefeld zeigen, dass Gesundheitskompetenz stark sozial ungleich verteilt ist und Ungleichheiten direkt zu einer höheren Belastung des Gesundheitssystems führen – etwa durch häufigere Arztbesuche, Notfalldienste oder Fehltage im Beruf. Eine gezielte Nutzung des Potenzials von Pflegefachpersonen könnte hier die Prävention stärken und die Versorgung verbessern.

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