Berlinweite Empfehlung für mehr Fairness und Qualität von Zeitarbeit in der Pflege: Landespflegeausschuss rät zu BKG-Fairnessvertrag

Der Landespflegeausschuss Berlin empfiehlt ab sofort die berlinweite Nutzung des Mustervertrags Zeitarbeit in der Pflege der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). Ziel ist es, Mindeststandards zu sichern und negative Auswirkungen von Zeitarbeit auf Einrichtungen und Pflegebedürftige zu begrenzen. Die BKG begrüßt den Beschluss ausdrücklich.

In Berlin ist die Zeitarbeitsquote in Krankenhäusern mit 9,3 Prozent besonders hoch – drei Mal so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Zeitarbeit kann kurzfristige Engpässe überbrücken, verursacht aber hohe Kosten, Qualitätsrisiken durch fehlende Weiterbildung und Unzufriedenheit beim Stammpersonal. Eine Zeitarbeitskraft kostet das Zwei- bis Zweieinhalbfache einer festangestellten Pflegekraft, ohne dass diese Kosten refinanziert werden.

Der BKG-Musterrahmenvertrag bietet eine faire Lösung: Durch lokale Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern können Einsätze zuverlässiger, bezahlbarer und qualitativ sicher gestaltet werden, ohne Zeitarbeit als Entlastungsinstrument aufzugeben.

Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, erklärt: „Der BKG-Musterrahmenvertrag stellt ein wichtiges Instrument dar, um Zeitarbeit für unsere Träger bezahlbar zu machen, Qualitätsanforderungen sicherzustellen und Pflegekräften diese Option offen zu halten. Damit erhalten die Träger ein ausgleichendes Werkzeug, um den Einsatz von Zeitarbeit zur Abfederung von Belastungsspitzen oder Erkrankungswellen beim Personal in beide Richtungen fair und praktikabel zu gestalten.“

Zentrale Punkte des Mustervertrags:
  • Equal-Pay-Prinzipien: Tarifbindung an die entleihende Einrichtung
  • Begrenzung der Overheadkosten der Zeitarbeitsfirmen
  • Verbindlichkeit der Einsätze mit Sanktionen bei Schlecht- oder Nichtleistungen
  • Verbot der Abwerbung
  • Regelungen zu Qualitäts- und Weiterbildungsanforderungen

Der Fairness-Vertrag findet auch über Berlin hinaus Resonanz bei Verbänden und wurde bereits in politischen Anhörungen auf Bundesebene vorgestellt.

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