Notfallreform: Zusätzliche Leistungen müssen vergütet werden und dürfen ambulante Versorgung nicht gefährden
Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI GENO Deutschland e. V. begrüßt die geplante Notfallreform, warnt jedoch vor erheblichem zusätzlichen Personalaufwand und einer möglichen Ressourcenverschiebung, die die reguläre ambulante Versorgung gefährden könnte. Der Verband fordert Zusatzvergütungen und Refinanzierungen für die geplanten 24/7-Versorgungstrukturen sowie die Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft in die Reformvorhaben.
Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland, erklärt: „Seit Jahren warten wir auf die dringend nötige Notfallreform (..) Wir sehen eine große Gefahr, dass die Ressourcenverschiebung zulasten der regulären ambulanten Versorgung geht – vor allem der chronisch Erkrankten. Wir dürfen die Versorgungslücken nicht verschieben.“
MEDI GENO fordert außerdem, dass telemedizinische Leistungen, Videosprechstunden, Fahrdienste, Dokumentationen und digitale Investitionen als Zusatzleistungen angemessen vergütet werden. Honorierungsmodelle für telemedizinische Akutleistungen könnten auch in bestehende Selektivverträge integriert werden.
Ein weiterer zentraler Punkt: klare Haftungsgrenzen für telemedizinische Einschätzungen und die Übertragung von mehr Eigenverantwortung auf die Patientinnen und Patienten, um die effiziente Steuerung der Notfallversorgung zu unterstützen.
Dr. Ralf Schneider, stellvertretender Vorsitzender von MEDI GENO, betont die Bedeutung aussagekräftiger Belastungsanalysen und Mindestvoraussetzungen für die personelle Ausstattung. „Es darf keine Verlagerung unserer regulären Versorgungszeit in nicht gedeckte Notdienstzeiten geben. Die niedergelassenen Ärzte müssen in die Ausgestaltung der Notfallreform eingebunden werden“, so Schneider.
Smetak fasst zusammen: „Die Notfallreform setzt mit klaren bundesweit einheitlichen Ersteinschätzungsstrukturen und der Verzahnung der Notrufnummern 116117 und 112 auf richtige Lösungen. Das muss aber mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen funktionieren (..) Ziel muss ein umsetzbares und qualitativ hochwertiges Notfallversorgungssystem sein, das nicht die Regelversorgung gefährdet.“






