DIVI fordert: Zusatzweiterbildung statt Facharzt – Zukunft der Notfallmedizin interdisziplinär sichern
Fachgesellschaft lehnt Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin ab und setzt auf bewährte Strukturen
Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat am 5. August 2025 eine klare Empfehlung zur Zukunft der klinischen Akut- und Notfallmedizin veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht die Stärkung und flächendeckende Umsetzung der Zusatzweiterbildung (ZWB) Klinische Akut- und Notfallmedizin – und nicht die Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin.
„Eine qualitativ hochwertige Notfallversorgung entfaltet ihre Stärke durch die Vielfalt fachspezifischer Expertise der verschiedenen Fachrichtungen. Wir sollten bestehende Strukturen stärken, statt neue Parallelwege zu schaffen!“, betont DIVI-Präsident Professor Florian Hoffmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg.
Drei Säulen der DIVI-Position
- Mitgliederumfrage: Knapp 75 % von 1.529 befragten DIVI-Mitgliedern sprechen sich für den Erhalt der ZWB aus.
- Nachwuchsorganisationen: Die Junge DIVI und fünf weitere Nachwuchsvertretungen kritisieren im Entwurf eines Kommentars das geplante Facharztcurriculum. „Auch wird einem möglichen Facharzt für Notfallmedizin Handlungssicherheit in wesentlichen Kompetenzbereichen fehlen, wenn er wie derzeit vorgeschlagen ausgebildet werden soll. Das ist für uns kein umsetzbares Konzept“, erklärt Dr. David Josuttis, Anästhesiologe am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin.
- Fachgesellschaften und Berufsverbände: Die in der DIVI organisierten Verbände fordern ebenfalls die Beibehaltung der ZWB und lehnen den Facharztplan ab.
Finanzierung nach G-BA-Modell
Die DIVI plädiert für eine Finanzierung nach dem Vorschlag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), bei dem die Vorhaltekosten zu mindestens 80 % berücksichtigt und separat für jede der drei Notfallstufen berechnet werden. „Eine Zuordnung von Fällen zu einer spezifischen Leistungsgruppe Notfallmedizin ist damit entbehrlich“, so Hoffmann. Mit diesem Modell ließe sich aus Sicht der DIVI die Diskussion um eine chronische Unterfinanzierung beenden.
Moderierende Rolle im Dialog
Angesichts der teils unterschiedlichen Standpunkte zwischen Ärzteschaft, Fachgesellschaften und Berufsverbänden bietet sich die DIVI als Vermittlerin an. „Wir verstehen uns als moderierende Instanz“, betont Hoffmann. Ziel sei es, die Notfallmedizin patienten- und bedarfsorientiert weiterzuentwickeln.




