Wartburgkreis beschließt Klinikstrategie für Eisenach und Bad Salzungen
Kreistag setzt auf kommunale Steuerung, Spezialisierung und wohnortnahe Versorgung
Der Kreistag des Wartburgkreises hat am 23. Juni 2026 das „Strategiepapier Kliniken Wartburgregion“ einstimmig verabschiedet. Mit dem Beschluss soll die medizinische Versorgung in der Region langfristig gesichert und die Zusammenarbeit der beiden kommunalen Krankenhausstandorte in Eisenach und Bad Salzungen ausgebaut werden. Grundlage ist die vollständige kommunale Trägerschaft des St. Georg Klinikums Eisenach ab dem 1. Juli 2026.
Mit der Übernahme der bislang von kirchlichen Trägern gehaltenen Anteile am St. Georg Klinikum Eisenach wird der Wartburgkreis künftig alleiniger Träger der beiden großen Krankenhäuser im Kreisgebiet sein. Neben dem Klinikum Bad Salzungen entsteht damit eine gemeinsame kommunale Krankenhausstruktur, die nach den Vorstellungen des Landkreises eine engere strategische Abstimmung und eine koordinierte Weiterentwicklung der Versorgung ermöglichen soll.
Das verabschiedete Strategiepapier reagiert auf die Herausforderungen der Krankenhausreform, die demografische Entwicklung sowie die besonderen Anforderungen eines überwiegend ländlich geprägten Versorgungsraums. Ziel ist es, die vorhandenen medizinischen Ressourcen effizient einzusetzen und gleichzeitig die Eigenständigkeit beider Standorte zu erhalten.
Kern des Konzepts ist die Aufteilung des Wartburgkreises in eine nördliche und eine südliche Versorgungsregion. Das St. Georg Klinikum Eisenach soll dabei die Versorgung im Norden übernehmen, während das Klinikum Bad Salzungen als Schwerpunktklinik für den südlichen Teil des Landkreises fungiert. Beide Häuser bleiben zentrale Anlaufstellen für die stationäre Versorgung und sollen ihre jeweiligen medizinischen Schwerpunkte weiterentwickeln. Besondere Bedeutung misst der Landkreis der Notfallversorgung bei. Beide Klinikstandorte verfügen über Zentrale Notaufnahmen und sollen ihre Rolle als Einrichtungen der erweiterten Notfallversorgung behalten. Darüber hinaus sieht das Strategiepapier den Ausbau integrierter Notfallstrukturen vor. Damit sollen auch künftig rund um die Uhr wohnortnahe Anlaufstellen für akute medizinische Notfälle gewährleistet werden.
Neben der stationären Versorgung nimmt die ambulante Medizin einen wichtigen Platz in den Planungen ein. Die Medizinischen Versorgungszentren der Kliniken sollen weiter ausgebaut und enger mit den stationären Angeboten verzahnt werden. Hintergrund ist der zunehmende Rückgang niedergelassener Ärztinnen und Ärzte in vielen Regionen. Der Landkreis betrachtet die Verbindung von ambulanter und stationärer Versorgung als wesentliche Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung.
Das Strategiepapier sieht zudem eine abgestimmte Spezialisierung der beiden Klinikstandorte vor. Zertifizierte Zentren und besondere Leistungsangebote in Bereichen wie Schlaganfallversorgung, Herzinfarktbehandlung, Unfallchirurgie und Onkologie sollen erhalten und weiterentwickelt werden. Hochkomplexe Leistungen sollen weiterhin in Kooperation mit überregionalen Maximalversorgern erbracht werden. Auch die Fachkräftegewinnung wird als zentrale Zukunftsaufgabe benannt. Der Erhalt der Geburtshilfe, der Ausbau geriatrischer Angebote sowie die Stärkung der ärztlichen Ausbildung gehören zu den strategischen Zielen. Gleichzeitig fordert der Wartburgkreis vom Freistaat Thüringen verlässliche Rahmenbedingungen für die Krankenhausplanung, die Sicherung bestehender Notfallstrukturen sowie Unterstützung bei den anstehenden Transformationsprozessen.
Über die Kreisgrenzen hinaus eröffnet das Strategiepapier zudem Perspektiven für eine engere Zusammenarbeit mit dem Klinikum Schmalkalden. Nach Angaben des Landkreises laufen hierzu bereits Gespräche zwischen den beteiligten Landkreisen und Krankenhausgesellschaften.
Mit dem einstimmigen Beschluss bekennt sich der Wartburgkreis ausdrücklich zu einer kommunal getragenen Krankenhausversorgung und formuliert einen langfristigen Entwicklungsrahmen für die medizinische Infrastruktur der Region.




