Multiresistente Keime: Klinik in Lünen stoppt Notfallaufnahmen

Sechs 4MRGN-Nachweise auf der Intensivstation – zwei Infektionen und vier Besiedelungen – Rettungsdienst leitet Notfälle vorerst bis Montag um

Das St. Marien Hospital in Lünen nimmt wegen mehrerer Nachweise multiresistenter gramnegativer Erreger (4MRGN) auf seiner Intensivstation vorübergehend keine Notfallpatienten auf. Bei sechs Patienten wurde der Erreger nachgewiesen, darunter zwei Infektionen und vier Besiedelungen. Das Krankenhaus hat zusätzliche Hygienemaßnahmen eingeleitet und die Rettungsleitstelle sowie das Gesundheitsamt informiert.

Nach Angaben des St. Marien Hospitals wurde der multiresistente Erreger zunächst durch einen Patienten in das Krankenhaus eingebracht. Inzwischen liegen fünf weitere Nachweise auf der Intensivstation vor. Die Klinik geht deshalb von einer Übertragung innerhalb des Krankenhauses aus.

Krankenhaushygienikerin Dr. Sabine Meyer weist darauf hin, dass der Erreger gegenüber einer Vielzahl von Antibiotika resistent ist. Besonders gefährdet sind schwer erkrankte und immungeschwächte Patientinnen und Patienten.

Von den sechs betroffenen Patienten haben zwei eine Infektion entwickelt. Bei den übrigen vier liegt eine Besiedelung vor, bei der der Erreger nachweisbar ist, ohne eine entsprechende Erkrankung auszulösen.

Notfallaufnahmen vorerst bis 9. November ausgesetzt

Nach Abstimmung mit internen und externen Fachleuten hat das Krankenhaus entschieden, sich vorübergehend bei der Rettungsleitstelle abzumelden. Rettungswagen bringen Notfallpatientinnen und -patienten deshalb zunächst in umliegende Krankenhäuser.

Die Maßnahme gilt vorerst bis Montag, 9. November 2026. Ob die Notfallaufnahme anschließend wieder öffnen kann, soll anhand der weiteren hygienischen Situation entschieden werden.

Eine vollständige Schließung des Krankenhauses ist damit nicht verbunden. Bereits stationär aufgenommene Patientinnen und Patienten werden weiterhin medizinisch und pflegerisch versorgt.

Auch geplante Untersuchungen und Behandlungstermine finden grundsätzlich statt, sofern die zuständigen Abteilungen keine Änderungen mitteilen. Besuche sind weiterhin möglich, können jedoch auf einzelnen Stationen eingeschränkt sein.

Erweiterte Screenings und verstärkte Hygienemaßnahmen

Zur Eindämmung des Erregers werden sämtliche Patientinnen und Patienten der Intensivstation mittels Rektal- und Hautabstrichen untersucht.

Zusätzlich hat das Krankenhaus seine Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen intensiviert. Auch die Hygieneschulungen der Mitarbeitenden werden ausgeweitet.

Geschäftsführerin Julia Alexandra Schütte betont, dass die Maßnahmen insbesondere weitere Übertragungen verhindern und eine möglichst schnelle Rückkehr zum regulären Krankenhausbetrieb ermöglichen sollen.

Nach Angaben des Krankenhauses wurden die zuständigen Behörden informiert. Über die weitere Dauer der Einschränkungen soll auf Grundlage der laufenden hygienischen Bewertungen entschieden werden.

4MRGN als Herausforderung für das Hygienemanagement

Die Bezeichnung 4MRGN steht für gramnegative Bakterien mit Resistenzen gegen vier klinisch wichtige Antibiotikagruppen. Der Nachweis erfordert insbesondere bei intensivmedizinisch behandelten und immungeschwächten Patienten erhöhte Aufmerksamkeit. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer Besiedelung und einer behandlungsbedürftigen Infektion. Beide Situationen können besondere Hygienemaßnahmen erforderlich machen, sind medizinisch jedoch nicht gleichzusetzen.

Die zunehmende Bedeutung multiresistenter gramnegativer Erreger beschäftigt auch andere Krankenhäuser. So hatten die Mühlenkreiskliniken im Juli 2026 ein erweitertes Aufnahmescreening auf MRGN eingeführt, um Besiedelungen frühzeitig zu erkennen. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung Hessen hatte die stärkere Überwachung von 4MRGN-Erregern angekündigt.