Klinikum Mittelbaden präsentiert Jahresergebnis 2024: Zwischen Defizit und Weichenstellungen für die Zukunft
Hoher Verlust, positive Entwicklungstendenzen und konkrete Maßnahmen: Das Klinikum Mittelbaden zeigt sich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen strategisch auf Kurs
Mit einem Jahresfehlbetrag von 16,75 Millionen Euro schließt das Klinikum Mittelbaden gGmbH (KMB) das Geschäftsjahr 2024 ab. Trotz der ernüchternden Bilanz betont die Geschäftsführung bei der Jahrespressekonferenz am 4. August strategische Fortschritte und positive Leistungstrends in Medizin, Pflege und Organisation. Zudem wurden umfassende Maßnahmen zur wirtschaftlichen Konsolidierung eingeleitet – auch mit Blick auf das Großprojekt des geplanten Zentralklinikums in Rastatt.
„Das Geschäftsjahr 2024 war erneut ein Jahr großer Herausforderungen für die Krankenhäuser in Deutschland – wie auch für uns als regionaler Gesundheitsversorger in der Region Mittelbaden“, so Felix Brenneisen, Kaufmännischer Geschäftsführer des KMB.
Strukturelle Schieflage: Systemdefizite prägen das Ergebnis
Die wirtschaftliche Lage deutscher Kliniken bleibt laut Deutscher Krankenhausgesellschaft angespannt: 79 % der Krankenhäuser erwarten 2024 ein negatives Ergebnis. Auch am Klinikum Mittelbaden machen sich systemische Probleme wie nicht kostendeckende Fallpauschalen, Tarifsteigerungen, auslaufende Energiehilfen, Lieferengpässe und Fachkräftemangel deutlich bemerkbar. Die strukturelle Unterfinanzierung zwingt Kliniken zur Vorfinanzierung von Betriebskosten ohne gesicherte Budgets. Für das KMB bedeutet das eine Liquiditätsbelastung von rund 4 Millionen Euro im Jahr 2025.
Leistungswachstum trotz widriger Umstände
Trotz des Defizits zeigt sich die medizinische Versorgung stabil:
- 32.974 stationäre Patienten wurden 2024 behandelt – ein Zuwachs von 4,3 %.
- 948 zusätzliche Behandlungen erfolgten durch Hybrid-DRGs.
- Die durchschnittliche Verweildauer liegt mit 5,53 Tagen weiterhin unter dem Landesschnitt.
„Unsere medizinischen Leistungen entwickeln sich positiv und gleichmäßig über alle Standorte hinweg“, berichtet Medizinischer Geschäftsführer Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber.
Auch in der Pflege wurden Fortschritte erzielt: Das Defizit konnte von 1,7 Mio. Euro (2023) auf rund 520.000 Euro reduziert werden. Das 2023 eröffnete Haus der Jungen Pflege in Kuppenheim verzeichnet eine steigende Auslastung.
Immobilienstrategie als wirtschaftliches Steuerungsinstrument
Ein zentrales Element zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ist die neue Immobilienstrategie. Ziel ist eine Zentralisierung der Leistungsangebote, um Synergien zu nutzen, Investitionen zu bündeln und den Fachkräftemangel abzufedern.
Betroffen sind:
- Standort Bühl: Vorbereitung der Schließung bis 2026.
- Standort Forbach: Stilllegung der Kurzzeitpflege, Verlagerung nach Kuppenheim, Umsetzung bis Ende 2025.
- Immobilie Gernsbach: Verkauf Anfang 2026 nach Kündigung durch MEDICLIN.
„Unsere oberste Priorität bleibt die verlässliche Versorgung der Region. Durch Konzentration können wir Qualität und Wirtschaftlichkeit sichern“, erklärt Iber.
Neubauprojekt Klinikum Baden-Baden Rastatt: Klarheit nach Bürgerentscheid
Nach dem positiven Bürgerentscheid in Baden-Baden Ende Juni nimmt das Neubauprojekt wieder Fahrt auf. Am 15. Juli wurde die Errichtungs- und Betriebsgesellschaft gegründet. Ziel ist ein klimaneutrales Zentralklinikum am Münchfeldsee in Rastatt.
- Baubeginn: voraussichtlich März 2029
- Inbetriebnahme: 2034
- Erste Planungsrate für die Landesförderung: Antrag bis 30. November 2025
„Der Bürgerentscheid hat uns wichtige Klarheit verschafft – gleichzeitig hat sich dadurch der Zeitplan verschoben“, so Brenneisen.







