Klinikum Ernst von Bergmann nimmt Personalkosten ins Visier
Bei bis zu 36 Millionen Euro Ergebnisrisiko für 2027 prüft Potsdamer Klinikum personelle Maßnahmen und weitere Einsparungen
Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam bereitet angesichts erheblicher wirtschaftlicher Risiken für 2027 weitere Sparmaßnahmen vor. Im Mittelpunkt stehen dabei erstmals ausdrücklich auch die Personalkosten. Nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am 9. Oktober 2026 will die Geschäftsführung kurzfristig Maßnahmen gemeinsam mit dem Betriebsrat beraten und umsetzen. Ein konkreter Stellenabbau ist bislang nicht beschlossen.
Wie das kommunale Klinikum mitteilte, wurden dem Aufsichtsrat verschiedene Szenarien vorgestellt, um einem für 2027 prognostizierten Ergebnisrisiko von bis zu 36 Millionen Euro entgegenzuwirken. Neben möglichen personellen Veränderungen stehen auch die Dienstwagenregelung und Einsparpotenziale beim medizinischen Sachbedarf auf dem Prüfstand.
Taskforce entwickelt Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung
Nach Angaben der Geschäftsführung wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche kurzfristig wirksame Einsparmaßnahmen umgesetzt. Weitere wirtschaftliche Entlastungen sollen nun durch eine interprofessionelle Taskforce erarbeitet werden, die inzwischen ihre Arbeit aufgenommen hat.
Das Gremium konzentriert sich auf vier Handlungsfelder: Personalkosten, Prozessoptimierung, Abrechnung und die Reduzierung klinischer Kosten. Neben Führungskräften aus der Pflege, dem ärztlichen Dienst und der Therapie sind auch Mitglieder des Betriebsrats eingebunden. Erste Ergebnisse werden zeitnah erwartet.
Die angekündigte Senkung der Personalkosten könnte für Beschäftigte erhebliche Auswirkungen haben. Die Geschäftsführung räumt selbst ein, dass personelle Maßnahmen mit Belastungen verbunden sein können, und kündigt eine entsprechende Begleitung an. Welche Beschäftigtengruppen betroffen sein könnten und ob Stellen wegfallen, ist derzeit allerdings noch offen.
Berichte über einen möglichen Einstellungsstopp, Einschränkungen beim 13. Monatsgehalt oder konkrete Personalabbauzahlen sind bislang nicht durch das Klinikum bestätigt. Auch über Veränderungen einzelner medizinischer Leistungsangebote wurde noch keine Entscheidung veröffentlicht. (1)
Krankenhausreform und Vergütungsänderungen belasten Planung für 2027
Hintergrund des Sanierungsprogramms sind nach Einschätzung der Klinikleitung insbesondere die finanziellen Auswirkungen der Krankenhausreform und des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die Geschäftsführung rechnet für 2027 mit Erlöseinbußen und zusätzlichen Belastungen durch veränderte Vergütungsbedingungen, die Refinanzierung von Pflegepersonalkosten sowie die erwartete Entwicklung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst.
Dabei hatte sich die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt nach Klinikangaben stabilisiert. Tomislav Gmajnic, Sprecher der Geschäftsführung, erklärte Ende September, dass das Klinikum im laufenden Geschäftsjahr 2026 seine Planungsziele erreiche und voraussichtlich mit einem deutlich besseren Ergebnis abschließen werde als in den Vorjahren. Dennoch könnten die veränderten Rahmenbedingungen 2027 erneut erhebliche Einschnitte erforderlich machen. (2)
Die genannten 36 Millionen Euro stellen eine vorläufige Risikoschätzung dar. Ein tatsächlicher Jahresfehlbetrag in dieser Höhe steht damit noch nicht fest. Welche finanziellen Auswirkungen die geplanten gesetzlichen Änderungen endgültig haben werden, hängt zudem von deren weiterer Ausgestaltung ab.
Die Geschäftsführung will parallel mit der Aufsichtsratsvorsitzenden und der kommunalen Gesellschafterin über zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten beraten. Dabei geht es um ein begleitendes Finanzierungspaket, das die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen ermöglichen soll.
Das Klinikum Ernst von Bergmann gehört zu den großen kommunalen Gesundheitsversorgern Brandenburgs. Die gesamte Unternehmensgruppe beschäftigt knapp 5.000 Mitarbeitende. Ziel der Geschäftsführung bleibt es, den Klinikverbund wirtschaftlich zu stabilisieren und in kommunaler Trägerschaft fortzuführen.




