Klinikum Ernst von Bergmann sieht 2027 Risiko von bis zu 36 Mio. Euro
Taskforce soll Einsparpotenziale identifizieren – auch Stellen und Leistungsangebot kommen auf den Prüfstand
Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam stellt sich auf erhebliche finanzielle Belastungen im Jahr 2027 ein. Nach ersten, noch groben Schätzungen rechnet die Geschäftsführung infolge veränderter Rahmenbedingungen durch Krankenhausreform und GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit einem Ergebnisrisiko von bis zu 36 Millionen Euro. Das geht aus einer Mitteilung des Klinikums hervor.
Für 2026 erwartet das Haus nach Angaben von Geschäftsführer Tomislav Gmajnic dagegen ein deutlich besseres Ergebnis als in den Vorjahren. Das Klinikum liege im laufenden Geschäftsjahr im Plan; Erlössteigerungen und bereits umgesetzte Einsparmaßnahmen hätten dazu beigetragen. Die neuen gesetzlichen Vorgaben könnten diese Entwicklung 2027 jedoch deutlich belasten.
Gesamtes Klinikum soll erneut überprüft werden
Als wesentliche Risikofaktoren nennt das Klinikum Veränderungen bei der Vergütung von Krankenhausleistungen, der Refinanzierung der Pflegepersonalkosten sowie steigende Prüfquoten des Medizinischen Dienstes. Wie das Haus mitteilt, soll deshalb kurzfristig eine interne Taskforce ihre Arbeit aufnehmen. Beteiligt sind Führungskräfte aus Pflege, ärztlichem Dienst und Therapie sowie Mitglieder des Betriebsrats.
Die Gruppe soll konkrete Maßnahmen mit Einsparpotenzial entwickeln. Der Aufsichtsrat will sich am 9. Oktober 2026 erstmals mit dem Maßnahmenplan befassen; weitere Entscheidungen sollen in den folgenden Wochen fallen.
Geschäftsführer Dr. Christian Unzicker kündigt dabei eine breite Überprüfung an. Nach Angaben des Klinikums ist derzeit ausdrücklich noch offen, welche Bereiche von Einsparungen betroffen sein könnten, ob Stellen wegfallen oder Veränderungen im Leistungsangebot notwendig werden. Die in den vergangenen Jahren vergleichsweise schnell realisierbaren Einsparpotenziale seien bereits weitgehend ausgeschöpft.
Damit geht es bei dem angekündigten Programm nicht nur um einzelne Sachkosten oder Prozessanpassungen. Die Geschäftsführung stellt auch strukturelle Veränderungen grundsätzlich zur Diskussion, ohne ihnen zum jetzigen Zeitpunkt vorzugreifen.
Kommunale Trägerschaft soll gesichert werden
Das Klinikum betont zugleich, dass die kommunale Trägerschaft erhalten bleiben soll. Gmajnic bezeichnet dies als klaren Auftrag der Gesellschafterin. Die anstehenden Maßnahmen sollen deshalb frühzeitig verhindern, dass sich die erwarteten Erlös- und Kostenrisiken 2027 zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Schieflage entwickeln. Das Klinikum Ernst von Bergmann ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit mehr als 38 Kliniken und Fachbereichen. Nach eigenen Angaben werden jährlich gut 45.000 Menschen stationär behandelt; hinzu kommen knapp 50.000 Notfallkontakte.
Die nächsten Wochen werden damit entscheidend für die konkrete Ausgestaltung des Konsolidierungsprogramms. Erste politische und strukturelle Weichenstellungen sind nach der Befassung des Aufsichtsrats am 9. Oktober zu erwarten.




