Klinikum Dortmund setzt Bodycams in Notaufnahmen ein
Sicherheitsprojekt soll Personal vor Gewalt und Eskalationen im Krankenhaus schützen
Das Klinikum Dortmund setzt als erstes Krankenhaus in Deutschland Bodycams in seinen Notaufnahmen ein. Ziel des auf drei Monate angelegten Modellprojekts ist es, Beschäftigte besser vor Bedrohungen und gewalttätigen Übergriffen zu schützen und Konfliktsituationen frühzeitig zu deeskalieren.
Der Einsatz erfolgt freiwillig in den vier Notaufnahmen des kommunalen Maximalversorgers. Insgesamt wurden 24 Bodycams bereitgestellt, die bei erkennbaren Konfliktsituationen nach vorheriger Ankündigung aktiviert werden können. Während medizinischer Behandlungen oder vertraulicher Gespräche kommen die Geräte nicht zum Einsatz. Zusätzlich verfügen die Kameras über einen Notrufknopf.
Nach Angaben der Klinikleitung hat sich bereits in den ersten Wochen der Testphase gezeigt, dass allein die Ankündigung der Aufzeichnung deeskalierend wirken kann. In mehreren Fällen sei es gelungen, eskalierende Situationen im Warte- und Empfangsbereich zu beruhigen, bevor es zu körperlichen Übergriffen kam. Führungskräfte der Zentralen Notaufnahme berichten zudem von einem erhöhten Sicherheitsgefühl des Personals.
Hintergrund der Maßnahme ist ein zunehmender Problemdruck durch verbale und körperliche Übergriffe auf Beschäftigte im Krankenhaus, insbesondere in Notaufnahmen. Auch wenn der überwiegende Teil der Patientenkontakte weiterhin als konfliktfrei beschrieben wird, führen einzelne Vorfälle zu erheblichen Belastungen im klinischen Alltag. Bei mehreren hunderttausend Kontakten jährlich summiert sich nach Einschätzung der Klinik die absolute Zahl kritischer Situationen.
Der Einsatz der Bodycams ist dabei Teil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts. Bereits jetzt kommen in den Notaufnahmen Sicherheitsdienste zum Einsatz, deren Präsenz perspektivisch ausgeweitet werden soll. Ergänzend werden Deeskalationstrainings und Selbstverteidigungskurse für Mitarbeitende angeboten. Zusätzlich wurden technische Maßnahmen wie Notrufsysteme eingeführt sowie bauliche Anpassungen an Zugangsbereichen umgesetzt.
Aus Sicht des Krankenhausmanagements steht das Projekt exemplarisch für eine zunehmende Auseinandersetzung mit Fragen der Arbeitssicherheit im stationären Versorgungsbereich. Neben medizinischer Qualität und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rücken Schutzkonzepte für Personal stärker in den Fokus klinischer Steuerung.
Das Klinikum Dortmund sieht in der Testphase zudem Potenzial für eine mögliche Ausweitung des Konzepts auf weitere Bereiche des Hauses. Die Erfahrungen stoßen nach Angaben der Klinik bereits bundesweit auf Interesse anderer Krankenhäuser, die sich mit ähnlichen Sicherheitsherausforderungen in der Notfallversorgung konfrontiert sehen.
Mit rund 1.400 Planbetten, über 5.000 Beschäftigten und mehr als 400.000 Patientenkontakten jährlich zählt das Klinikum Dortmund zu den größten kommunalen Maximalversorgern in Nordrhein-Westfalen und dient in der Notfallversorgung einer großen regionalen und überregionalen Bevölkerung.





