Klinikschließung in Brake: Ärzte warnen vor „kaltem Strukturwandel“

Marburger Bund Niedersachsen fordert Brückenfinanzierung und warnt vor einer Krankenhausreform durch Insolvenzen und Marktbereinigung

Die Schließung des St. Bernhard-Hospitals in Brake ist für den Marburger Bund Niedersachsen ein Symptom eines ungesteuerten Strukturwandels in der Krankenhauslandschaft. Die Ärztegewerkschaft warnt davor, notwendige Veränderungen über Insolvenzen und wirtschaftliche Marktbereinigung zu vollziehen. Gefordert werden Brückenfinanzierungen für bedarfsnotwendige Kliniken, höhere Investitionen und verbindliche Übergangskonzepte für Beschäftigte und die ärztliche Weiterbildung.

Das Aus des St. Bernhard-Hospitals in Brake steht nach Einschätzung des Marburger Bundes exemplarisch für eine Entwicklung, die weit über den einzelnen Krankenhausstandort hinausgeht. Der Landesverband Niedersachsen spricht von einem „kalten Strukturwandel“, bei dem wirtschaftlicher Druck und Insolvenzen zunehmend darüber entscheiden, welche Versorgungsstrukturen erhalten bleiben.

Aus Sicht der Ärztegewerkschaft fehlt damit ein politisch gesteuerter Transformationsprozess, der die Krankenhauslandschaft gezielt an den künftigen Versorgungsbedarf anpasst.

„Ein Strukturwandel, der sich im Insolvenzrecht vollzieht, kostet wertvolle Fachkräfte und gefährdet die Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses“, warnt der Landesvorsitzende Hans Martin Wollenberg. Besonders problematisch sei es, wenn Ärzte während ihrer Facharztweiterbildung kurzfristig ihren Arbeitsplatz und ihre Weiterbildungsstruktur verlieren.

Marburger Bund warnt vor Kettenreaktionen nach Klinikschließungen

Der Verband sieht zudem die Gefahr, dass ungeplante Klinikschließungen erhebliche Auswirkungen auf umliegende Krankenhäuser haben. Fallen stationäre Kapazitäten kurzfristig weg, müssen andere Standorte zusätzliche Patienten aufnehmen.

Nach Ansicht des Marburger Bundes fehlt es dort jedoch häufig an den erforderlichen personellen, baulichen und finanziellen Voraussetzungen. Dadurch könnten sich Überlastungsprobleme insbesondere in Notaufnahmen und auf Stationen auf benachbarte Krankenhäuser verlagern.

„Wer Standorte konsolidieren will, muss zuerst die aufnehmenden Strukturen ertüchtigen“, fordert der stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Hammerschmidt. Neben zusätzlichen Kapazitäten müssten auch sektorenübergreifende Übergänge verlässlich aufgebaut werden.

Die Gewerkschaft stellt sich damit nicht grundsätzlich gegen eine Konzentration von Krankenhausleistungen. Kritisiert wird vielmehr die Reihenfolge: Neue Versorgungsstrukturen müssten aufgebaut und finanziell abgesichert sein, bevor bestehende Kapazitäten wegfallen.

Brückenfinanzierung soll weitere Insolvenzen verhindern

Der Marburger Bund fordert deshalb eine Übergangs- und Brückenfinanzierung für bedarfsnotwendige Krankenhäuser, bis die neuen Finanzierungsmechanismen der Krankenhausreform vollständig greifen. Wirtschaftlich notwendige Strukturveränderungen dürften nicht durch Zahlungsunfähigkeit vorweggenommen werden.

Zugleich verlangt der Verband eine vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen und höhere Investitionen des Landes Niedersachsen. Der bestehende Investitionsstau müsse abgebaut werden, damit verbleibende Krankenhausstandorte zusätzliche Versorgungsaufgaben übernehmen können.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft das Personal. Für Ärzte an Standorten, die geschlossen oder umstrukturiert werden, fordert der Marburger Bund verbindliche Übergangskonzepte. Insbesondere laufende Facharztweiterbildungen müssten gesichert werden.

Auch sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen sollen nach Vorstellung des Verbandes planvoll aufgebaut werden, bevor Akutkapazitäten reduziert werden.

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