Krankenhausreform verschärft Wettbewerb um ärztliche Fachkräfte
Strukturentscheidungen setzen Personalmarkt unter Druck und beschleunigen Wechselbewegungen
Die Krankenhausreform verändert nicht nur die Versorgungsstrukturen, sondern zunehmend auch den ärztlichen Personalmarkt. Nach Marktbeobachtungen der Ärztevermittlung Find Your Expert sind vertrauliche Wechselanfragen von Ärztinnen und Ärzten aus strukturell betroffenen Krankenhäusern zuletzt um knapp 20 Prozent gestiegen, während Kliniken ihre Personalplanung früher als bisher beginnen.
Mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) hat der Gesetzgeber die Ende 2024 eingeleitete Neuordnung der stationären Versorgung im Frühjahr 2026 angepasst. Die Zahl der Leistungsgruppen wurde von 65 auf 61 reduziert, gleichzeitig wurden die Ausnahmemöglichkeiten der Länder erweitert und der Zeitplan für die Einführung der Vorhaltefinanzierung gestreckt. Die vollständige Wirksamkeit der neuen Finanzierungslogik soll erst 2030 erreicht werden.
Die grundsätzliche Ausrichtung der Reform bleibt jedoch bestehen: Medizinische Leistungen sollen stärker an spezialisierte und entsprechend ausgestattete Standorte konzentriert werden. Für Krankenhäuser bedeutet dies, dass die künftige Zuordnung von Leistungsgruppen unmittelbar mit der Frage verbunden ist, welche medizinischen Kompetenzen und personellen Strukturen an einem Standort benötigt werden.
Nach Einschätzung von Find Your Expert wirkt sich diese Unsicherheit bereits vor den offiziellen Strukturentscheidungen auf den Arbeitsmarkt aus. Geschäftsführer Dirk Bachmann berichtet von einer zunehmenden Zahl von Chef- und Oberärzten, die bereits Monate vor einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft ihrer Abteilung nach beruflichen Alternativen suchen.
Besonders unter Druck stehen nach Angaben der Personalvermittlung kleinere Häuser der Grund- und Regelversorgung. Betroffen sind unter anderem Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin sowie kleinere chirurgische und neurologische Fachabteilungen. Dabei sei die Krankenhausreform nicht alleiniger Auslöser der Veränderungen. Personalmangel und wirtschaftlicher Druck hätten die strukturellen Probleme vieler Häuser bereits zuvor verschärft.
Auch konkrete Standortentscheidungen verdeutlichen die Entwicklung. So wurden zuletzt unter anderem stationäre Versorgungsangebote in der Geburtshilfe verlagert oder Krankenhäuser organisatorisch mit anderen Standorten zusammengeführt. Die Auswirkungen unterscheiden sich allerdings je nach Bundesland. In Nordrhein-Westfalen greifen aufgrund des eigenen Krankenhausplanungsmodells teilweise Übergangs- und Sonderregelungen.
Für den ärztlichen Arbeitsmarkt entsteht dadurch eine doppelte Bewegung. Krankenhäuser, die bestimmte Leistungsgruppen erhalten oder ausbauen, müssen die dafür erforderlichen Fachkräfte häufig kurzfristig gewinnen. Häuser, die Leistungen abgeben oder Abteilungen schließen, stehen dagegen vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu halten oder sie in andere Strukturen zu überführen.
Nach Angaben von Find Your Expert verlängerte sich die durchschnittliche Besetzungsdauer in den betroffenen Fachgebieten innerhalb eines Jahres von 96 auf 145 Tage. Gleichzeitig sei die Zahl der Initiativbewerbungen aus Häusern in strukturellen Veränderungsprozessen um knapp 15 Prozent gestiegen.
Für Kliniken, Medizinische Versorgungszentren und Praxen gewinnt damit die frühzeitige Personalplanung an Bedeutung. Find Your Expert empfiehlt, Strukturstrategie und Personalstrategie enger miteinander zu verbinden und potenzielle Personalengpässe bereits vor verbindlichen Planungsentscheidungen zu berücksichtigen.
Für Ärztinnen und Ärzte können die Veränderungen zugleich neue berufliche Möglichkeiten schaffen. An Standorten, die durch die Krankenhausplanung gestärkt werden, können zusätzliche Positionen mit höheren Fallzahlen und stärker spezialisierten Aufgabenprofilen entstehen.




