Elbe-Elster Klinikum vor Weichenstellung: Wirtschaftliche Lage setzt Krankenhaus unter Druck

Forvis Mazars sieht Handlungsbedarf – Interimsgeschäftsführer Papenfuß soll noch 2026 zentrale Entscheidungen vorbereiten

Die Zukunft des Elbe-Elster Klinikums steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Bei einem Gespräch mit den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen wurden die wirtschaftliche und organisatorische Situation des kommunalen Krankenhauses sowie die nächsten Schritte beraten. Eine von Forvis Mazars vorgenommene Statusbestimmung zeigt demnach erheblichen Handlungsbedarf. Die Ertragslage zehrt die Vermögensrücklage rasch auf. Zugleich soll das medizinische Leistungsspektrum unter den Vorgaben der Krankenhausreform neu bewertet werden.

Landrat Marcel Schmidt informierte am 11. August die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen über die aktuelle Situation der Elbe-Elster Klinikum GmbH. An dem knapp dreistündigen Gespräch nahmen neben Vertretern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars auch Interimsgeschäftsführer Mirko Papenfuß teil.

Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Lage des kommunalen Klinikums, die Gründe für die Abberufung und Freistellung des bisherigen Geschäftsführers sowie die strategische Ausrichtung der drei Krankenhausstandorte.

Forvis Mazars sieht dringenden Handlungsbedarf

Vertreter von Forvis Mazars stellten die wesentlichen Ergebnisse ihrer Statusbestimmung zur wirtschaftlichen und organisatorischen Situation des Klinikums vor. Dabei wurde insbesondere auf die Entwicklung der Ertragslage hingewiesen.

Nach Einschätzung der Prüfer wird die bestehende Vermögensrücklage durch die aktuelle wirtschaftliche Situation rasch aufgezehrt, sofern keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Damit steigt der Handlungsdruck für das kommunale Krankenhaus. Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen wurde auch das bisherige Zusammenspiel von Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter kritisch betrachtet. Für die Zukunft sollen Verantwortlichkeiten und Rollen klarer definiert und das Zusammenwirken der Gremien weiterentwickelt werden.

Geschäftsführerwechsel wegen wirtschaftlicher Entwicklung

Landrat Marcel Schmidt begründete erneut seine Entscheidung, Michael Winkler als Geschäftsführer abzuberufen und freizustellen. Ausschlaggebend seien die anhaltend negativen wirtschaftlichen Ergebnisse sowie ein fehlendes Vertrauen gewesen, dass die notwendigen Veränderungen unter der bisherigen Geschäftsführung mit der erforderlichen Konsequenz umgesetzt würden.

Die nun anstehenden Veränderungsprozesse sollen vornehmlich unter den veränderten gesetzlichen, medizinischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgen.

Keine Privatisierung geplant

Spekulationen über eine mögliche Privatisierung des Elbe-Elster Klinikums wies Schmidt zurück. Eine Privatisierung sei derzeit nicht vorgesehen. Grundlage für die weitere Entwicklung bleibt nach Angaben des Landkreises der Kreistagsbeschluss vom 7. April 2025. Dieser sieht weiterhin die Planung eines zentralen Klinikneubaus sowie die Entwicklung der bisherigen Standorte zu Gesundheitszentren vor.

Gleichzeitig enthält der Beschluss eine Alternative für den Fall, dass der zentrale Neubau nicht genehmigt oder finanziert werden kann. Dann soll geprüft werden, ob künftig einer der drei Standorte die stationäre Grund- und Regelversorgung übernimmt.

Damit steht die zukünftige Struktur des Klinikums ausdrücklich unter einem Finanzierungsvorbehalt. Die verschiedenen Varianten sollen vor dem Hintergrund der inzwischen veränderten Rahmenbedingungen ergebnisoffen betrachtet werden.

Medizinisches Leistungsspektrum soll neu modelliert werden

Interimsgeschäftsführer Mirko Papenfuß, dessen Tätigkeit zunächst auf zwei Monate angelegt ist, sieht noch für 2026 wesentliche Entscheidungen auf das Klinikum zukommen.

Zunächst soll das künftige medizinische Leistungsspektrum für die stationäre Versorgung unter den Bedingungen der Krankenhausreform modelliert werden. Parallel sollen ambulante und stationäre Versorgungsangebote stärker miteinander verzahnt werden.

Auch die Anforderungen des Rettungsdienstes sollen in die Überlegungen einbezogen werden. Darüber hinaus geht es darum, die Voraussetzungen für die Förderfähigkeit notwendiger Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur zu schaffen. Eine entsprechende Bestätigung des Fördermittelgebers liegt bislang allerdings noch nicht vor.

Papenfuß betonte zudem, dass die zukünftige Versorgung nicht ausschließlich innerhalb der Kreisgrenzen gedacht werden könne. Mögliche Kooperationen und Versorgungsstrukturen müssten daher auch kreisübergreifend betrachtet werden.

Beschäftigte sollen in Veränderungsprozess einbezogen werden

Parallel zu den politischen Beratungen suchen Schmidt und Papenfuß den direkten Austausch mit den Beschäftigten an den drei Krankenhausstandorten. Dabei sollen die aktuelle Situation erläutert, Fragen der Mitarbeiter aufgenommen und die bevorstehenden Veränderungen diskutiert werden.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Ausgangslage nehmen Landrat und Interimsgeschäftsführer nach eigenen Angaben auch Zuversicht und die Bereitschaft wahr, die notwendigen Veränderungen gemeinsam anzugehen.

Zukunft der drei Standorte bleibt offen

Für das Elbe-Elster Klinikum stehen damit mehrere strategische Fragen gleichzeitig auf der Tagesordnung: die wirtschaftliche Stabilisierung, die künftige medizinische Leistungsstruktur, die Rolle der drei Standorte, mögliche Kooperationen sowie die Finanzierung notwendiger Investitionen.

Nach ersten Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium sieht der Landkreis grundsätzlich Möglichkeiten, Investitionen in die zukünftige Gesundheitsinfrastruktur förderfähig zu gestalten. Konkrete Planungen müssten jedoch an die weitere Entwicklung und die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden.

Landrat Schmidt betont dabei die kommunale Verantwortung für die Versorgung: Entscheidend sei, die anstehenden Entscheidungen sowohl an der medizinischen Versorgung der Bevölkerung als auch an der langfristigen Zukunftsfähigkeit des Klinikums auszurichten.

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