Universitätsklinikum Leipzig integriert KI-System als Medizinprodukt in die Versorgung

Eigenentwickeltes Entscheidungsunterstützungssystem erfüllt MDR-Anforderungen und soll Patientensicherheit erhöhen

Das Universitätsklinikum Leipzig hat mit „LAMPE“ erstmals ein eigenentwickeltes KI-basiertes Clinical Decision Support System (CDSS) als Medizinprodukt in die Patientenversorgung integriert. Nach Angaben des Klinikums entspricht die Software den Anforderungen der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) und wird direkt im klinischen Alltag eingesetzt.

Das System „LAMPE“ („Leipziger Analyse- und Meldesystem für Patientensicherheit in Echtzeit“) unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei Diagnose- und Therapieentscheidungen durch die Auswertung klinischer Daten in Echtzeit. Im Unterschied zu generativen KI-Anwendungen – wie etwa unternehmensintern eingesetzten GPT-Systemen – handelt es sich um ein evidenzbasiertes und klinisch validiertes System, das unmittelbar in Behandlungsprozesse eingebunden ist.

Die Entwicklung basiert auf dem mehrjährigen Forschungsprojekt AMPEL und wurde über einen Zeitraum von sieben Jahren am UKL vorangetrieben. Um die regulatorischen Anforderungen der MDR zu erfüllen, hat das Klinikum neue organisatorische Strukturen geschaffen, darunter die Abteilung für Medizinische KI und Translation (MedKIT) sowie die MITCenter gGmbH als Tochtergesellschaft für regulatorische und technologische Umsetzung.

Der Kaufmännische Vorstand Dr. Robert Jacob sieht in der Eigenentwicklung einen strategischen Schritt: „Unsere erste Medizinprodukt-Entwicklung stärkt die Unabhängigkeit in der klinischen Anwendung und erhöht gleichzeitig die Patientensicherheit.“ Ziel sei es, die Kontrolle über digitale Schlüsseltechnologien im eigenen Haus zu behalten und deren Einsatz aktiv zu gestalten.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel ist ein Algorithmus zur Früherkennung von akutem Nierenversagen bei Patientinnen und Patienten unter Antibiotikatherapie. Durch automatisierte Warnhinweise auf Basis von Echtzeitdaten sollen Risiken frühzeitig erkannt und Folgeschäden reduziert werden. Perspektivisch ist eine Erweiterung der Plattform um weitere Anwendungsfälle geplant, etwa zur Sepsis-Früherkennung oder zur Identifikation des Refeeding-Syndroms.

Auch aus Sicht der Medizininformatik eröffnet der Ansatz neue Perspektiven. Prof. Toralf Kirsten betont, dass sich klinische IT-Strukturen zunehmend zu einem aktiven Bestandteil der Patientenversorgung entwickeln könnten. Die Kombination aus wissenschaftlicher Expertise und klinischer Anwendung ermögliche eine schnellere Überführung von Innovationen in den Versorgungsalltag.

Parallel setzt das UKL auf Kooperation und Vernetzung. Die zugrunde liegende AMPEL-Plattform soll künftig als Open-Source-Projekt weiterentwickelt und anderen Einrichtungen zugänglich gemacht werden. Über das Clinical Decision Support Network sind bereits mehr als 20 Standorte miteinander verbunden, um den fachlichen Austausch zu fördern.

Für das Krankenhausmanagement markiert die Einführung von „LAMPE“ einen weiteren Schritt in Richtung datengetriebener, digital unterstützter Versorgung. Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt die steigende Bedeutung regulatorischer Kompetenz und eigener Entwicklungskapazitäten im Kontext von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen.

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