TMF begrüßt Notfallreform: Forderung nach durchgängiger Datennutzung in der Versorgung
Fachgesellschaften sehen große Chance für sektorenübergreifende Digitalisierung der Notfallversorgung
Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung bewertet den Kabinettsentwurf zur Reform der Notfallversorgung grundsätzlich positiv. Gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften sieht die Organisation darin eine zentrale Chance, die Notfallversorgung in Deutschland digital, sektorenübergreifend und datenbasiert weiterzuentwickeln. Entscheidend sei jedoch eine durchgängige Nutzung von Versorgungsdaten für Qualitätssicherung und Forschung.
Im Zentrum der Stellungnahme steht der Anspruch, die Notfallversorgung künftig über Sektorengrenzen hinweg stärker zu vernetzen. Der Gesetzentwurf zur Notfallreform soll nach Einschätzung der beteiligten Fachorganisationen wichtige Grundlagen schaffen, um Daten aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen – von der ambulanten Akutversorgung über den Rettungsdienst bis hin zu Notaufnahmen und integrierten Notfallzentren – interoperabel zusammenzuführen.
Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung betont, dass eine moderne Notfallversorgung nur dann effizient gestaltet werden könne, wenn medizinische Daten sicher, standardisiert und sektorenübergreifend verfügbar sind. Ziel sei es, sowohl die Versorgungsqualität zu verbessern als auch eine bessere wissenschaftliche Auswertung von Versorgungsprozessen zu ermöglichen.
Besonderes Augenmerk legt die Stellungnahme auf die Nutzung dieser Daten für Forschung und Qualitätssicherung. Nach Auffassung der beteiligten Fachleute müssen Informationen aus Akutleitstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, Rettungsdiensten und Notaufnahmen technisch und rechtlich so miteinander verknüpft werden, dass sie bundesweit vergleichbar und regional auswertbar sind. Nur so könne eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Notfallversorgung gewährleistet werden.
Der Vorsitzende der TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung, Rainer Röhrig, hebt hervor, dass tiefgreifende Reformen im Gesundheitswesen zwingend wissenschaftlich begleitet werden müssten. Nur auf Basis belastbarer Daten lasse sich beurteilen, welche Maßnahmen tatsächlich zu einer Verbesserung der Versorgung führten.
Ein weiterer zentraler Punkt der Stellungnahme betrifft die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen der Datennutzung. Aus Sicht der TMF ist eine klare Rechtsgrundlage erforderlich, um eine datenschutzkonforme und zweckgebundene Verknüpfung von Versorgungsdaten entlang des gesamten Behandlungspfads zu ermöglichen. Gleichzeitig müsse die Interoperabilität bereits bei der Datenerhebung sichergestellt werden, um spätere Schnittstellenprobleme zu vermeiden.
Die Organisation warnt zudem vor der Entstehung neuer Datensilos im Gesundheitswesen. Nach Einschätzung des Geschäftsführers der TMF und Vorsitzenden des Beirats der gematik GmbH, Sebastian C. Semler, müssten verschiedene gesetzliche Vorhaben im Bereich digitaler Gesundheitsdaten besser aufeinander abgestimmt werden. Dazu zählen unter anderem nationale Regelungen zur Gesundheitsdatennutzung sowie europäische Initiativen wie der European Health Data Space.
Für die praktische Umsetzung der Digitalisierung fordert die TMF verbindliche Standards mit klaren Umsetzungsfristen. Nach ihrer Einschätzung reichen rein technische Vorgaben nicht aus, um eine flächendeckend interoperable digitale Notfallversorgung zu gewährleisten. Entscheidend seien verbindliche Vorgaben, Nachweispflichten und Anreizsysteme, um die Umsetzung in der Fläche sicherzustellen.
Abschließend unterstreicht die TMF den Anspruch eines lernenden Gesundheitssystems, das Reformwirkungen zeitnah messbar macht. Nur wenn Daten aus der Versorgung systematisch ausgewertet werden können, lasse sich die Wirksamkeit von Reformen im Notfallbereich zuverlässig bewerten und weiterentwickeln.




