Protest der Freien Ärzteschaft: Massive Kritik an Plänen von Ministerin Warken

Verband warnt vor „Zwei-Klassen-Medizin“ und Praxissterben durch ambulante Unterfinanzierung

Die Freie Ärzteschaft e.V. (FÄ) findet deutliche Worte gegen die aktuelle Gesundheitspolitik von Bundesministerin Nina Warken. In einer aktuellen Pressemeldung warnt der Verband vor einer drastischen Verschlechterung der ambulanten Versorgung. Durch geplante Kürzungen und eine zunehmende Unterfinanzierung drohen laut FÄ längere Wartezeiten, ein Rückzug von Ärzten aus dem Kassensystem und eine Flucht in privatärztliche Tätigkeiten. Leidtragende seien am Ende die gesetzlich versicherten Patienten.

Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft, kritisiert den politischen Kurs als „Sparen am falschen Ende“. Während der Ärztemangel bundesweit bereits Realität sei, würden die geplanten Einschnitte die Attraktivität der vertragsärztlichen Tätigkeit weiter untergraben. Dietrich prognostiziert, dass viele Mediziner ihre Arbeitszeit für Kassenpatienten auf ein Minimum reduzieren könnten, um stattdessen verstärkt Privatleistungen anzubieten. Ein Honorar, das teilweise unter dem von Tierärzten liege, sei für eine hochwertige Humanmedizin nicht mehr tragbar.

Ein weiterer Kritikpunkt des Verbandes betrifft die Verteilung der Lasten innerhalb des Gesundheitssystems. Die FÄ fordert, dass versicherungsfremde Leistungen – insbesondere für Bezieher von Bürgergeld – konsequent aus Steuermitteln des Bundes finanziert werden, statt die gesetzlich Versicherten und die Leistungserbringer zu belasten. Laut Dietrich werden Arztpraxen und Psychotherapeuten „geschröpft“, während die Pharmaindustrie trotz hoher Gewinne bei neuen Medikamenten geschont werde. Dabei leiste die ambulante Medizin Enormes: 97 % aller Krankheitsfälle würden mit nur 16 % der Kassenausgaben versorgt.

Zusätzliche Schärfe bringt die geplante Notdienstreform in die Debatte. Dr. Silke Lüder, stellvertretende Vorsitzende der FÄ, warnt vor dem Konzept eines aufsuchenden 24-Stunden-Notdienstes. Dieser binde wertvolle personelle Ressourcen, die dann in der regulären Praxisversorgung fehlten. Die Folge seien ineffiziente Doppelstrukturen und ein weiterer Entzug finanzieller Mittel aus der Regelversorgung.

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