KV Berlin: Umfrage prognostiziert massives Praxissterben
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken versetzt die ambulante Versorgung in der Hauptstadt in Aufruhr.
Eine aktuelle Mitgliederbefragung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin offenbart ein erschütterndes Stimmungsbild: Tausende Praxen könnten vor dem Aus stehen, während Patienten mit drastischen Leistungskürzungen rechnen müssen.
Die ambulante Gesundheitsversorgung in Berlin steht vor einer Zerreißprobe. Zwischen dem 21. und 26. April 2026 nahmen fast 2.500 niedergelassene Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten an einer Blitzumfrage der KV Berlin teil, um die potenziellen Auswirkungen der geplanten Bundesreformen zu bewerten. Das Ergebnis ist ein beispielloser Misstrauensvotum gegen die aktuelle Gesundheitspolitik: Über 90 Prozent der Befragten erwarten „deutlich negative Auswirkungen“ auf die Versorgung ihrer Patienten. Die Verunsicherung ist so groß, dass mehr als jeder zweite Befragte angibt, unter konkreten Existenzängsten zu leiden.
Sollte das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in seiner jetzigen Form umgesetzt werden, wird dies für die Versicherten in Berlin unmittelbar spürbar sein. 80 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass sie ihr Leistungsangebot einschränken müssen. Drei Viertel der Mediziner rechnen zudem mit einer weiteren Verschärfung der ohnehin angespannten Terminsituation und deutlich längeren Wartezeiten. Die Sparvorgaben aus dem Bundesgesundheitsministerium treffen auf ein System, das laut KV-Vorstand bereits am Limit agiert.
Besonders besorgniserregend ist die personelle Perspektive in den Praxen. Knapp ein Drittel der Befragten hält einen Abbau von Stellen für medizinisches Fachpersonal für unvermeidbar, um die wirtschaftliche Stabilität der Praxen zu gewährleisten. In einem Sektor, der bereits händeringend nach qualifizierten Kräften sucht, könnte dies eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die die Versorgungsqualität nachhaltig beschädigt.
Die drohende Schließungswelle: Fast jede zweite Praxis denkt ans Aufhören
Über 1.000 der befragten Mediziner gaben an, aufgrund der politischen Rahmenbedingungen eine vorzeitige Praxisaufgabe zu erwägen oder bereits konkrete Pläne für einen frühzeitigen Ruhestand zu verfolgen. Rechnet man dieses Stimmungsbild auf die Gesamtzahl der Berliner Praxen hoch, steht fast jeder zweite Standort zur Disposition.
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die aktuelle Versorgung, sondern schreckt auch den Nachwuchs ab: Über 70 Prozent der etablierten Ärzte würden unter den derzeitigen Bedingungen keine Niederlassung mehr empfehlen. Der Vorstand der KV Berlin bezeichnet die Situation als „Armutszeugnis für das Gesundheitssystem“ und warnt die Politik eindringlich davor, die gravierenden Folgen für die Millionenstadt Berlin zu ignorieren. Ohne eine Kurskorrektur drohe die ambulante Säule der Daseinsvorsorge wegzubrechen, bevor die Reform ihre beabsichtigte Wirkung entfalten kann.





