DGKJ kritisiert GKV-Reform: Kinderversorgung gefährdet

Offener Brief warnt vor Folgen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes für Pädiatrie

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat am 23.04.2026 in einem offenen Brief an das Bundesgesundheitsministerium deutliche Kritik am Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz geäußert. Nach Darstellung der Fachgesellschaft werde die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in dem Entwurf strukturell nicht ausreichend berücksichtigt. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen mögliche Auswirkungen auf spezialisierte Versorgungsangebote im stationären und ambulanten Bereich.

Die DGKJ sieht in dem Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz zwar einen nachvollziehbaren Versuch, die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung zu sichern, warnt jedoch vor erheblichen Nebenwirkungen für die pädiatrische Versorgung. In dem offenen Brief vom 23.04.2026 betont die Fachgesellschaft mit ihren über 20.000 Mitgliedern, dass die strukturelle Lage der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland bereits seit Jahren angespannt sei und sich durch zusätzliche finanzielle und regulatorische Einschnitte weiter verschärfen könne.

Kern der Kritik ist die Einschätzung, dass der Entwurf die spezifischen Versorgungsbedarfe schwer kranker Kinder und Jugendlicher nicht ausreichend adressiert. Insbesondere spezialisierte Einrichtungen, die für komplexe pädiatrische Behandlungsfälle notwendig sind, stünden bereits unter zunehmendem wirtschaftlichem und organisatorischem Druck. Vor diesem Hintergrund warnt die DGKJ vor einer weiteren Reduktion von Standorten oder Versorgungsstrukturen, die langfristig zu Engpässen in der Versorgung führen könnten.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft das Gesetzgebungsverfahren selbst. Die DGKJ bemängelt, dass die Frist zur Stellungnahme faktisch nicht ausreichend gewesen sei, um eine fachlich fundierte Beteiligung sicherzustellen. Damit werde die Perspektive der wissenschaftlichen Kinder- und Jugendmedizin im politischen Entscheidungsprozess unzureichend berücksichtigt.

Die Fachgesellschaft fordert das Bundesgesundheitsministerium daher auf, den Entwurf grundlegend zu überarbeiten und die Auswirkungen auf die pädiatrische Versorgung stärker in den Mittelpunkt der gesundheitspolitischen Bewertung zu stellen. Zwar erkennt die DGKJ die Notwendigkeit einer Beitragssatzstabilisierung der GKV ausdrücklich an, betont jedoch, dass diese nicht zulasten besonders vulnerabler Patientengruppen erfolgen dürfe.

Aus gesundheitspolitischer Sicht verweist die DGKJ zudem auf Erfahrungen aus vergangenen Krisensituationen, in denen strukturelle Schwächen der Kinder- und Jugendmedizin besonders deutlich geworden seien. Diese dürften sich durch aktuelle Reformvorhaben nicht weiter verstärken, sondern müssten vielmehr gezielt adressiert werden.

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