VKD fordert neue Prioritäten bei Kontrollen im Gesundheitswesen
Klinikmanager kritisieren hohe Prüfkomplexität und verlangen ganzheitlichen Blick auf finanzielle Risiken der GKV
Der Verband des Klinikmanagements Deutschlands (VKD) fordert eine grundlegende Überprüfung der Kontroll- und Prüfstrukturen im Gesundheitswesen. Anlass sind Medienberichte über mögliche Milliardenverluste aus Finanzanlagen von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen. Der VKD stellt dem die immer detaillierteren Abrechnungs-, Struktur- und Qualitätsprüfungen in Krankenhäusern gegenüber und fordert mehr Verhältnismäßigkeit.
Der Verband des Klinikmanagements Deutschlands nimmt Berichte über erhebliche Verluste beziehungsweise gefährdete Beitragsgelder bei Finanzanlagen zum Anlass, die bestehenden Kontrollmechanismen im Gesundheitswesen grundsätzlich infrage zu stellen. Nach einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ vom 25. August 2026 sollen mindestens 1,7 Milliarden Euro an Beitragsgeldern durch Investitionen in Immobilienfonds und -projekte gefährdet oder verloren sein. (1)
Der VKD warnt dabei ausdrücklich vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Zunächst müsse geklärt werden, welche Schäden tatsächlich entstanden seien und wer dafür Verantwortung trage. Für den Verband wirft der Vorgang jedoch eine übergeordnete Frage auf: Werden die begrenzten Kontroll-, Verwaltungs- und Steuerungsressourcen des Gesundheitswesens dort eingesetzt, wo sie für Versorgung und Beitragsstabilität die größte Wirkung erzielen?
VKD-Vizepräsident Wolfgang Mueller betont, Krankenhäuser und Krankenkassen arbeiteten letztlich mit denselben begrenzten finanziellen Ressourcen für dieselben Versicherten. Deshalb müsse gemeinsam geprüft werden, ob das inzwischen hochkomplexe Gesundheitssystem seine Ressourcen noch an den richtigen Stellen einsetze.
VKD hinterfragt Aufwand der Krankenhausabrechnungsprüfung
Als Beispiel nennt der Verband die Krankenhausabrechnungsprüfung. Krankenhäuser, Krankenkassen und Medizinischer Dienst setzen erhebliche personelle Ressourcen ein, um einzelne Krankenhausabrechnungen zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Nach Darstellung des VKD kommt die FinanzKommission Gesundheit dennoch zu dem Ergebnis, dass sich die Abrechnungsqualität seit Einführung des Prüfquotensystems nicht substanziell verbessert habe. Trotzdem würden die Prüfregelungen erneut verschärft.
Der Verband stellt dabei die Notwendigkeit korrekter Abrechnungen und einer Kontrolle von Beitragsmitteln nicht infrage. Er kritisiert vielmehr die zunehmende Komplexität des Vergütungssystems. Diese führe dazu, dass erhebliche Ressourcen für Anwendung, Dokumentation und nachgelagerte Überprüfung der Regelungen benötigt würden.
Der VKD fordert deshalb eine stärkere Diskussion über einfachere Vergütungsregeln, verbindlichere Abgrenzungen und frühzeitige Falldialoge.
Strukturprüfungen können Leistungsangebot unmittelbar treffen
Besonders weitreichend seien die Folgen von Struktur- und Qualitätsprüfungen. Krankenhäuser müssen detailliert nachweisen, dass personelle, organisatorische und technische Voraussetzungen erfüllt werden. Negative Prüfergebnisse können dazu führen, dass bestimmte Leistungen nicht mehr erbracht oder abgerechnet werden dürfen.
Der VKD verweist beispielhaft auf Qualitätsvorgaben bei der Versorgung von Patienten mit Bauchaortenaneurysma. Für die Intensivstation ist demnach in jeder Schicht eine Pflegekraft mit entsprechender Fachweiterbildung vorgeschrieben – unabhängig davon, ob während der jeweiligen Schicht tatsächlich ein Patient aus dem betreffenden Leistungsbereich versorgt wird.
Der Verband stellt solche Qualitätsanforderungen grundsätzlich nicht infrage. Er fordert jedoch eine vergleichbare Aufmerksamkeit für andere Risiken, bei denen erhebliche Mittel der Solidargemeinschaft betroffen sein können.
„Bürokratie ist keine kostenlose Nebenwirkung“
Nach Auffassung des VKD müssen deshalb nicht weniger, sondern wirksamere und verhältnismäßigere Kontrollen das Ziel sein. Auch die für administrative Prozesse benötigten personellen Ressourcen würden letztlich aus dem Gesundheitssystem finanziert und stünden an anderer Stelle nicht zur Verfügung.
Gleichzeitig verweist der Verband auf einen aus seiner Sicht bestehenden Widerspruch in der Finanzierungsdebatte. Während auf der Versorgungsseite intensiv über Refinanzierung, einzelne Abrechnungen und Strukturvorgaben diskutiert werde, seien zugleich große Beitragsvolumina im Rahmen gesetzlich vorgesehener Finanzanlagen entsprechenden Marktrisiken ausgesetzt.
Der VKD fordert daher einen ganzheitlichen Reformansatz. Dazu gehören weniger Komplexität, eine Überprüfung bestehender Prüfverfahren auf ihre tatsächliche Wirkung, Bürokratieabbau und eine stärkere Berücksichtigung sämtlicher relevanter finanzieller Risiken im Gesundheitswesen.
Für VKD-Vizepräsident Mueller sollte dabei nicht die Suche nach neuen Verantwortlichen für die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung im Vordergrund stehen. Entscheidend sei vielmehr ein System, das wesentliche Risiken frühzeitig erkennt, Akteure nach vergleichbaren Maßstäben behandelt und Fachkräfte nicht überwiegend mit der Verwaltung komplexer Regelwerke bindet.




