RWI-Studie warnt vor Milliarden-Verschwendung durch KHAG
1.000 statt 1.600 Standorte: Ökonomische Analyse zeigt radikalen Handlungsbedarf bei Klinikstrukturen
Eine aktuelle Analyse des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung vom Januar 2026 zeichnet ein drastisches Bild der deutschen Krankenhauslandschaft. Die Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Boris Augurzky und Prof. Dr. Christian Karagiannidis kommen zu dem Ergebnis, dass die aktuelle Struktur mit rund 1.600 Standorten massiv ineffizient ist. Für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Versorgung, die 99 % der Bevölkerung innerhalb von 30 Pkw-Minuten erreicht, würden 1.000 Standorte genügen. Diese Konzentration würde nicht nur die medizinische Qualität steigern und Leben retten, sondern das System auch wirtschaftlich stabilisieren.
Die Studie beziffert die notwendigen Investitionen für diese Neustrukturierung auf 64 Milliarden Euro. Der aktuelle Transformationsfonds von 50 Milliarden Euro könnte theoretisch 80 % dieses Zielbilds finanzieren. Doch die Forscher schlagen Alarm: Durch das geplante Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) drohe eine massive „Verwässerung“ der Mittel. Sollten die Bundesländer die Gelder für versorgungsfremde Zwecke oder zur Zementierung ineffizienter Doppelstrukturen nutzen, schrumpft das jährliche Einsparpotenzial von möglichen 10,9 Milliarden Euro auf lediglich 4,3 Milliarden Euro zusammen. Im schlimmsten Fall könnten die Einsparungen sogar gänzlich ausbleiben, während die Sozialabgabenquote bis 2035 auf über 50 % zuzusteuern droht.
Aus Sicht des Klinikmanagements liefert die RWI-Studie die harten ökonomischen Fakten für eine Debatte, die bisher oft emotional geführt wurde. Die Diskrepanz zwischen der „Soll-Struktur 2035“ und der aktuellen Realität ist ein existenzielles Signal für jeden Klinikstandort mit weniger als 200 Betten – jene Gruppe, die laut RWI von 787 auf 350 Häuser schrumpfen müsste.
Implikationen für die strategische Steuerung
Die Studie kalkuliert mit einer Umwandlung von 33,3 % der stationären Fälle in Hybrid-DRGs. Für das Management bedeutet dies: Ohne eine radikale Anpassung der Kostenstrukturen an die deutlich niedrigeren Hybrid-Erlöse (2.000 € vs. 4.800 € stationär) ist der Betrieb kleinerer Einheiten betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Das Medizincontrolling muss hier die „Soll-Kosten“ pro Fall neu definieren. Die Warnung vor der „Verwässerung“ durch das KHAG ist für Klinikleitungen ein zweischneidiges Schwert. Kurzfristig mögen Ausnahmeregelungen bei Facharztquoten oder die Finanzierung von Bestandsinvestitionen (Immobilien) den Druck nehmen. Langfristig jedoch warnen Augurzky und Karagiannidis vor der „Zementierung“ ineffizienter Strukturen. Ein Management, das jetzt Transformationsmittel für den Erhalt von Altbauten statt für die Zentralisierung nutzt, verpasst den Anschluss an die künftige Level-Struktur.






